VDEW-Vorschlag

EEG-Quotenmodell: Stromwirtschaft gefährdet Arbeitsplätze

Die Energiebranche trifft sich derzeit in Berlin zum VDEW-Kongress und diskutiert u.a. über ein neues Fördermodell für erneuerbare Energien. Eine vorgegebene Quote soll die garantierte Einspeisevergütung ersetzen. Der Verband verspricht sich mehr Wirtschaftlichkeit, die Ökostrombranche widerspricht erwartungsgemäß.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg/Berlin (red) - Bei der Vorstellung des Jahresberichts gestern in Berlin hat der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) auch seine Vorstellung von Förderung erneuerbarer Energien präsentiert. Darin wird das bestehende Modell der garantierten Einspeisevergütung durch ein Quotenmodell ersetzt. Das VDEW-Modell sieht also keine garantierte Abnahme des Öko-Stroms mehr vor. Die Einspeisevergütung würde durch vorgegebene Quoten an Öko-Strom ersetzt, welche die Energieversorger selber produzieren oder in Europa einkaufen dürfen.

"Privatleute, die eine Solaranlage auf ihrem Hausdach bauen möchten, oder die Betreiber von Windparks hätten keine Investitionssicherheit mehr. Kleinere Investoren würden damit weitgehend vom Markt verdrängt", befürchten beispielsweise die Energieexperten der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Ihre Ahnung: "Das neue Konzept des VDEW zur Förderung erneuerbarer Energien würde die Solar- und Windbranche ruinieren, ihre Arbeitsplätze gefährden und den Klimawandel weiter beschleunigen."

Die bestehende Abnahmegarantie des EEG schaffe auch in wirtschaftlich schwachen Zeiten Investitionssicherheit und Arbeitsplätze, erläutern die Umweltschützer. "Die anfangs von vielen Energieversorgern belächelten Windparks und Solaranlagen in Privathand haben sich dank der Einspeisevergütung zu einer ernsthaften Konkurrenz für die Alt- Monopolisten gemausert", sieht Jonas Mey, Greenpeace-Energieexperte den Grund für das plötzliche Handeln der Branche und fordert deshalb alle Parteien auf, sich vor der Bundestagswahl klar zum bisherigen erfolgreichen Förderkonzept des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zu bekennen.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warf den Stromkonzernen eine klimaschädliche und arbeitsplatzvernichtende Politik vor. "Die großen Stromunternehmen wollen das bewährte und international vorbildliche Gesetz zur Förderung des Ökostroms abschaffen. Damit würden kleinere Ökostromerzeuger verdrängt. Der entschlossene Ausbau erneuerbarer Energien ist jedoch entscheidend für das Erreichen der Klimaschutzziele. Die Stromkonzerne setzen das Klima aufs Spiel, um ihren Anteil am Strommarkt zu behalten", vermutet Gerhard Timm, BUND-Bundesgeschäftsführer.

"Der Verband der Elektrizitätswirtschaft hat ausschließlich die Gewinnmaximierung der großen Energiekonzerne im Sinn. Mittelstand und Wettbewerb bleiben dabei auf der Strecke", wettert erwartungsgemäß auch Milan Nitzschke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE). "Das Modell des VDEW würde dazu führen, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu deckeln und mittelständische Anbieter von Strom aus erneuerbaren Energien vom Markt zu drängen. Danach könnten E.ON und andere Großkonzerne das Geschäft mit den Zukunftsenergien selbst übernehmen - aber zu deutlich höheren Preisen als heute.", führte Nitzsche aus.

Das vom VDEW vorgestellte Modell - eine Mischung aus Mengenbegrenzung und Zertifikatehandel - käme heute schon in Großbritannien und Italien zum Einsatz. In beiden Ländern sei der Effekt gleich: "Der Ausbau stockt, die Ziele werden nicht erreicht. Solar, Erdwärme und Bioenergie bleiben ganz außen vor und die einzigen, die Ökostrom anbieten, sind die großen Energiekonzerne", kommentierte Nitzsche abschließend.