Atomprojekt

EDF-Verwaltungsrat segnet Reaktoren-Bau in Hinkley Pont ab

Der umstrittene Bau weiterer Reaktoren in Hinkley Pont in England wurde vom Verwaltungsrat des Stromkonzerns EDF genehmigt. Im Zuge des Projekts haben bereits der Finanzchef und nun auch ein Mitglied des Verwaltungsrats die Firma verlassen.

AtomkraftKritiker sehen in dem Milliarden-Projekt ein Risiko für den französischen Konzern EDF.© bluedesign / Fotolia.com

Paris - Der Verwaltungsrat des französischen Stromkonzerns EDF hat grünes Licht für den heftig umstrittenen Bau zweier neuer Atomreaktoren in Großbritannien gegeben. Damit könne EDF nun die Verträge unterzeichnen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Kritiker halten die Milliardeninvestition für ein Risiko.

Das Projekt in Hinkley Pont an der Westküste Englands soll 18 Milliarden Pfund (rund 21,5 Mrd Euro) kosten. Rund ein Drittel soll der chinesische Partner China Nuclear Power Corporation (CGN) schultern.

Umweltschützer sagen Bankrott des Unternehmens voraus

"Diese Entscheidung führt das Unternehmen schnurstracks in den Bankrott und wird zu geringe Investitionen in die nukleare Sicherheit im französischen Kraftwerkspark nach sich ziehen", kritisierte die Umweltschutzorganisation Greenpeace. "Je prekärer die EDF-Lage, desto größer der Druck, auch beim Betrieb der laufenden AKW zu sparen", fürchtete auch die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl.

Konzern-Chefs verlassen EDF

Im März war EDF-Finanzchef Thomas Piquemal zurückgetreten, weil er Zweifel hatte, ob das Unternehmen die Investition stemmen kann. Kurz vor der Entscheidung über das Projekt reichte nun auch ein Mitglied des EDF-Verwaltungsrats seinen Rücktritt ein. Der Schwerpunkt des Konzerns verschiebe sich noch mehr in Richtung Kernkraft, kritisierte Gérard Magnin in seinem Rücktrittsschreiben, das die Wirtschaftszeitung "Les Échos" am Donnerstag online veröffentlichte.

Hinkley Point C soll zentrale Rolle bei der Stromversorgung spielen

Hinkley Point C soll mit seinen beiden Reaktoren des Typs EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) sieben Prozent des britischen Strombedarfs decken. Die Inbetriebnahme ist ab 2025 angepeilt.

EDF gehört zu über 80 Prozent dem französischen Staat

EDF ist zu mehr als 80 Prozent im Besitz des französischen Staates. Der Konzern musste im vergangenen Jahr deutliche Gewinneinbußen hinnehmen und will bis 2018 fünf Prozent seiner Arbeitsplätze in Frankreich abbauen. Gewerkschaften hatten daraufhin gefordert, den teuren Neubau in England zu stoppen oder zu verschieben - sie zogen auch vor Gericht, dieser Streit ist nach französischen Medienberichten noch nicht ausgefochten.

Frankreich stellt Atomindustrie um

Die Pariser Regierung hatte sich aber immer wieder hinter das Projekt gestellt, sie sieht es als Aushängeschild für französisches Know-How. Die Atomindustrie des Landes steckt in einem tiefgreifenden Umbau, EDF übernimmt dabei auch das Reaktorgeschäft des defizitären Atomkonzerns Areva. Im April wurde eine Kapitalerhöhung von vier Milliarden Euro angekündigt.

Update: Briten verschieben Deal

Die britische Regierung hat überraschend den Deal mit dem EDF zum Bau des neuen Atomkraftwerks Hinkley Point verschoben. Der britische Energieminister Greg Clark sagte einer Pressemitteilung zufolge am Donnerstagabend: "Die Regierung wird jetzt sorgfältig alle Bestandteile dieses Projekts betrachten und ihre Entscheidung im frühen Herbst treffen."

Quelle: DPA