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EdF dementiert Kontakte zu Bundesregierung wegen RWE (Upd.)

Angeblich ist es unzutreffend, dass der französische EdF-Konzern bereits Kontakt zur Bundesregierung wegen RWE aufgenommen hat. Nicht kommentiert, also auch nicht dementiert, wurde hingegen das Interesse der Französen an einer Übernahme RWEs.

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Paris/Berlin (ddp/sm) - Der französische Energiekonzern Electricité de France (EdF) hat Kontakte mit deutschen Behörden hinsichtlich eines möglichen Zusammenschlusses mit dem Essener RWE-Konzern dementiert. Normalerweise kommentiere EdF Marktspekulationen nicht, sagte ein Sprecher von EdF in Paris am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. "In diesem speziellen Fall dementieren wir jedoch jegliche Kontakte mit deutschen Behörden hinsichtlich RWE." Die Frage, ob es Pläne gebe, für RWE zu bieten, wollte der Sprecher nicht weiter kommentieren.

Auch die Bundesregierung bezeichnete Meldungen als unzutreffend, wonach es Kontakte zu EdF wegen Übernahmeinteressen an RWE gegeben habe. "Die Bundesregierung hat keinerlei Kontakt mit dem französischen Stromkonzern EdF wegen einer angeblichen Übernahme von RWE gehabt", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag in Berlin auf Anfrage.

Der Südwestrundfunk (SWR) hatte zuvor berichtet, dass EdF die Übernahme von RWE plane. Zu diesem Zweck seien Vertreter von EdF bereits im Kanzleramt in Berlin vorstellig geworden und hätten dort ein Memorandum of Understanding übergeben. Danach verpflichte sich EdF, im Anschluss an einen Einstieg bei RWE die Beteiligung an der EnBW Energie Baden-Württemberg zu veräußern, um kartellrechtliche Bedenken auszuräumen.

Eine RWE-Sprecherin wollte sich am Freitag auf Anfrage von Dow Jones Newswires zunächst nicht äußern. Die Übernahmegerüchte haben der Aktie des Essener Energiekonzerns am Freitag Auftrieb verliehen. Trotz der Dementis war die RWE-Aktie bis zum Mittag mit einem Plus von mehr als fünf Prozent einziger Gewinner im Deutschen Aktienindex.

Zudem kamen am Markt erneut Spekulationen über einen möglichen Einstieg des russischen Gaskonzerns Gazprom bei RWE auf. Ein Sprecher des Moskauer Monopolisten wies dies allerdings umgehend zurück. Gazprom habe bereits vor langer Zeit gesagt, dass man an RWE nicht interessiert sei, sagte er. Gazprom wurde in den vergangenen Monaten immer wieder mit RWE in Verbindung gebracht, weil das russische Unternehmen einen stärkeren Zugang zum westeuropäischen Endkunden-Markt sucht.

Eine EdF nahe stehende Person sagte am Freitag der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires, es sei sehr wahrscheinlich, dass es Kontakte zwischen den Unternehmen gegeben habe, da derzeit in der Branche jeder mit jedem in Europa spreche. Allerdings sei eine Übernahme von RWE schon in der Vergangenheit schwer gewesen.

Stephan Haber, Analyst bei der HypoVereinsbank, sagte, eine Übernahme von RWE durch EdF halte er für wenig wahrscheinlich. EdF sei immer noch zu 80 Prozent in staatlicher Hand und gehe trotzdem seit längerem auf Einkaufstour in Europa. Dies könnte politische Widerstände auch in diesem Fall hervorrufen.

WestLB-Analyst Marc Köbernick sieht neben politischen Schwierigkeiten auch kartellrechtliche Probleme bei einer möglichen RWE-Übernahme durch EdF. Die Verbindung würde den Zusammenschluss der jeweils größten Stromerzeuger Frankreichs und Deutschlands bedeuten. Die deutsche Regierung würde es niemals zulassen, dass die Nummer Eins auf dem deutschen Markt unter die Kontrolle eines staatlich kontrollierten französischen Unternehmens gerate, so der Analyst.

Am Freitag wurde zudem bekannt, dass die Europäische Kommission ein Wettbewerbsverfahren gegen RWE eingeleitet hat. In dem Verfahren werde geprüft, ob das Unternehmen mögliche Wettbewerber gezielt vom Gasmarkt ausgeschlossen habe, teilte die Brüsseler Behörde mit. Die Untersuchung betreffe konkret das Erdgasnetz in Nordrhein-Westfalen.