Umweltschutz

Ecuador erlaubt Erdölförderung in Nationalpark

Der Nationalpark Yasuní gehört eigentlich zu den von der Unesco geschützten Dschungelgebieten. Dennoch hat Ecuador die Suche nach Erdöl in dem Biosphärenreservat erlaubt. Zwar wollte Staatschef Correa den Urwald schützen – aber nur wenn die Industriestaaten dafür zahlen.

Südamerika© Wikimedia Commons

Quito (dpa/red) - Ecuador hat seinem Staatskonzern Petroamazonas EP die Erlaubnis gegeben, im Nationalpark Yasuní Erdöl zu fördern. Das Dschungelgebiet im Osten des Landes ist von der Unesco zum Biosphärenreservat erklärt worden. Die Ölförderung solle nach umfassenden Umweltschutzmaßnahmen Anfang 2016 beginnen, erklärte die Umweltministerin Lorena Tapia, wie die Zeitung "El Telégrafo" berichtete, am Donnerstag (Ortszeit).

Ausgleichbetrag nicht erreicht

Der Naturpark war im Oktober 2013 vom Parlament für eine begrenzte Erdölförderung auf 0,1 Prozent der knapp 10.000 Quadratkilometer Schutzgebiet freigegeben worden. Zuvor war eine Initiative gescheitert, das Gebiet im Gegenzug für Ausgleichszahlungen zu schützen. Ecuadors Staatschef Rafael Correa wollte auf das Erdöl verzichten, wenn die Industriestaaten im Gegenzug einen solidarischen Ausgleichsbetrag in einen Fonds einzahlten. Der erwartete Betrag kam jedoch nicht zusammen.

Ölfelder in Tiputini und Tambococha

Die Lizenz gilt für die 17 Hektar der Ölfelder Tiputini und Tambococha, auf denen Ölreserven von 460,6 Millionen Barrel geschätzt werden. Tiputini befindet sich am Rand außerhalb des Naturparks, während Tambococha direkt in dem geschützten Gebiet liegt. Der Großteil der Infrastruktur zur Erdölförderung soll in Tiputini angelegt werden. Falls die bisher ohne Kontakt zur Außenwelt lebenden Völker der Tagaeri und Taromenane in den Ölfeldern gesichtet werden, soll die Förderung eingestellt werden.

Gewinn: 18,3 Milliarden Dollar

Der Gewinn aus den Ölfeldern wird auf 18,3 Milliarden Dollar (13,4 Mrd. Euro) geschätzt, von denen 1,6 Milliarden an die autonomen Regionalregierungen im Amazonasgebiet gehen sollen. Ein drittes Ölfeld, Ishpingo, mit nachgewiesenen Reserven von 456,1 Millionen Barrel, wurde vorerst nicht an Patroamazonas übergeben. Es liegt im für unantastbar erklärten Gebiet des Yasuní-Parks.

Heimat bedrohter Tiere

Der Yasuní-Nationalpark ist Heimat für 173 Säugetierarten, ein Drittel aller im Amazonasgebiet vorkommenden Arten dieser Tierkategorie. Allein 28 bedrohte Wirbeltierarten von der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN leben dort neben 567 Vogelarten und 188 Arten Amphibien und Reptilien.

Quelle: DPA