Klarheit beim Tanken

E10-Debakel: Garantie der Hersteller gefordert

Vor dem "Benzin-Gipfel" hat Berlin die Mineralölindustrie für die weitere Einführung des E10-Benzins in die Verantwortung genommen. Doch auch die Hersteller stehen im Fokus der Kritik: Verbraucherschützer fordern, die Autoindustrie solle für die E10-Verträglichkeit ihrer Modelle garantieren.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) machte die Mineralölindustrie am Dienstag vor dem Benzin-Gipfel im Wirtschaftsministerium für das "Kommunikationschaos" verantwortlich, das die Autofahrer massenhaft davon abhält, den neuen Sprit mit zehn Prozent Ethanolbeimischung zu tanken.

Ein Kommunikationsdesaster

Nun müsse Klarheit an der Tankstelle geschaffen werden, sagte Röttgen. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) pflichtete ihm bei: "Letztlich geht es um Information." Industrie und Autohersteller müssten das leisten, sagte sie. Ferner müsse die Frage der Rechtssicherheit auf dem Gipfel geklärt werden. Die Aussagen der Autohersteller zur Unbedenklichkeit der Verwendung von E10 müssten rechtsverbindlich sein, verlangte Aigner. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sprach von einer "Atempause", bekannte sich aber grundsätzlich zur Einführung von E10-Sprit.

Brüderle sagte dem RBB-Inforadio, die weitere Nutzung von Kraftstoff aus nachwachsenden Rohstoffen sei wünschenswert. Er hatte die Beteiligten und diverse Verbände eingeladen, nachdem die Mineralölwirtschaft Ende vergangener Woche vorübergehend erklärt hatte, aus Kapazitätsgründen nicht die ausreichende Menge an E5-Super Plus bereitstellen zu können, das die Autofahrer entgegen den Erwartungen massenhaft tanken wollen, weil sie dem E10-Super nicht trauen. E10 ist zurzeit nur an 45 Prozent der Tankstellen im Angebot. Obwohl es für 93 Prozent der Autos unschädlich ist, scheuen viele Autofahrer davor zurück, ihren Tank mit dem neuen Benzin zu befüllen.

Verbraucherschützer fordern Hersteller-Garantie

Verbraucherschützer forderten daher eine E10-Garantie der Autohersteller für ihre Modelle. Ohne eine solche Bestätigung der Verträglichkeit sei der neue Biotreibstoff tot, sagte der Energieexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel, im ZDF-"Morgenmagazin". Seiner Ansicht nach sollte das Kraftfahrtbundesamt die Autobesitzer schriftlich darüber aufklären, ob ihr Fahrzeug E10-tauglich ist oder nicht.

Einen Stopp der Einführung von E10 hält Krawinkel für überflüssig: "Faktisch ist es ja ausgesetzt", denn es gebe einen Verbraucherboykott.

Zum Auftakt des Benzin-Gipfels demonstrierten Umwelt- und Verbraucherschützer gegen den Biosprit, weil sie der Ansicht sind, mit dem Anbau geeigneter Pflanzen werde Lebensmittelproduktion verdrängt und teurer und somit der Hunger in der Welt verstärkt.