Scheitern

E.ON wird Endesa nicht übernehmen

Die Übernahmepläne des größten deutschen Energieversorgers sind gescheitert. Der Düsseldorfer Konzern einigt sich mit Enel und Acciona auf eine Aufspaltung der spanischen Endesa, wobei E.ON nur eine Minderheitsbeteiligung erhält. Seit über einem Jahr hatte E.ON um Endesa gekämpft.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/sm) - Der Chef des größten deutschen Energiekonzerns E.ON, Wulf Bernotat, ist mit seinen ambitionierten Plänen einer Übernahme des spanischen Versorgers Endesa endgültig gescheitert. Der Konzern einigte sich mit den beiden Konkurrenten Enel und Acciona auf eine Aufspaltung von Endesa, wobei E.ON lediglich eine Minderheitsbeteiligung erhält, wie das Unternehmen am Montagabend in Düsseldorf mitteilte. In dem seit über einem Jahr andauernden Übernahmekampf hatte E.ON zuletzt mehr als 42 Milliarden Euro für Endesa geboten.

"Der Eintritt von Acciona und Enel bei Endesa hat unser ursprüngliches Ziel, eine Mehrheit an Endesa zu übernehmen, unerreichbar gemacht", sagte Bernotat. Der Erwerb einer Minderheit an Endesa hätte eine gegenseitige Blockade der Anteilseigner und unabsehbare Gerichtsverfahren zur Folge gehabt. Daher soll das Übernahmeangebot nicht mehr vollzogen und auch in den kommenden vier Jahren kein erneutes Angebot vorgelegt werden. Am Dienstag will Bernotat sich ausführlich auf einer Pressekonferenz in Madrid äußern.

Der spanische Baukonzern Acciona und der italienische Versorger Enel, die zusammen 46 Prozent an Endesa halten, hatten die E.ON-Pläne torpediert und ein gemeinsames Gegenangebot angekündigt. Sie wollten 41 Euro pro Endesa-Aktie bieten, während die E.ON-Offerte nach der dritten Erhöhung bei 40 Euro lag. Die Annahmefrist für die Aktionäre wäre am Dienstag - in den USA am Freitag - ausgelaufen. Der Endesa-Verwaltungsrat hatte seinen Aktionären die Annahme des E.ON-Gebots empfohlen.

Nach Angaben von E.ON verpflichten sich Enel und Acciona, nun kurzfristig ein Übernahmeangebot für Endesa abzugeben. Sofern beide Unternehmen die Kontrolle erreichen, erhält der DAX-Konzern dann ein Beteiligungspaket mit Endesa-Aktivitäten in Spanien, Italien, Frankreich, Polen und der Türkei im Wert von zehn Milliarden Euro. Unter anderem soll E.ON in Spanien den Stromversorger Viesgo, in Italien Endesa Italia und in Frankreich Endesa France/SNET bekommen. Sowohl in Spanien als auch Italien wäre E.ON dann die Nummer vier am Markt, in Frankreich die Nummer drei.

E.ON bemüht sich bereits seit über einem Jahr um den spanischen Versorger. Nachdem zuletzt Enel und Acciona die Pläne torpedierten, hatte zuvor vor allem die spanische Regierung das Vorhaben behindert. Sie hatte eine Fusion im eigenen Land bevorzugt. Dabei kam es auch zu Auseinandersetzungen zwischen Spanien und der Europäischen Kommission, die einer Übernahme bereits grünes Licht erteilt hatte.

Die E.ON-Aktien legten am Montagabend im nachbörslichen Handel deutlich zu und erhöhten sich um mehr als fünf Prozent auf 107,50 Euro gegenüber dem Xetra-Schlusskurs.