Bewegung im Energiemark

E.ON will offenbar sein Übertragungsnetz verkaufen

Dem deutschen Strommarkt steht möglicherweise ein grundlegender Wandel bevor. E.ON will sich übereinstimmenden Berichten zufolge von seinem Übertragungsnetz trennen und damit offenbar möglichen Sanktionen der EU entgehen. Die übrigen Konzerne planen jedoch keinen Netzverkauf.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (red) - Dass Stromproduktion und Stromnetze bei den großen Versorgern in einer Hand liegen, gilt als ein Hauptgrund für den mangelnden Wettbewerb und die überhöhten Strompreise in Deutschland. Die EU hatte den Verkauf der Netze aus Wettbewerbsgründen verlangt.

E.ON will mit dem Verkauf seines Netzes die laufenden Kartellverfahren der EU-Kommission beilegen, berichtet das "Handelsblatt". Danach strebt der Konzern einen Deal mit EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes an. E.ON-Chef Wulf Bernotat biete den von der EU-Kommission geforderten Verkauf der Hochspannungsleitungen und von Kraftwerkskapazitäten im Volumen von rund 3500 Megawatt an. Im Gegenzug habe die Behörde offenbar signalisiert, die laufenden Verfahren gegen E.ON wegen des Vorwurfs des Marktmissbrauches einzustellen.

Bereits die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, dass die Gespräche E.ONs mit der EU-Kommission über den Verkauf von rund 10.000 Kilometern Stromleitungen sehr weit fortgeschritten seien. Ein Regierungssprecher bestätigte den ddp/Dow Jones Wirtschaftsnachrichten, dass Bernotat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) entsprechende Andeutungen gemacht hat.

Regierung wenig erfreut über Verkaufspläne

E.ON-Chef Wulf Bernotat habe Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angedeutet, dass der Konzern zum Thema Netzverkauf Gespräche führt, sagte ein Regierungssprecher den ddp/Dow Jones Wirtschaftsnachrichten auf Anfrage. Der "FAZ" zufolge ist Merkel über das Vorhaben nicht erfreut, weil sich die Regierung seit Monaten gegen Pläne der EU-Kommission für eine eigentumsrechtliche Entflechtung von Stromnetz und Produktion gewehrt und schließlich auch Verbündete für eine Alternativlösung gefunden hatte.

Die Bundesregierung favorisiert ihre sogenannte dritte Option, wie der Regierungssprecher weiter sagte. Danach sei anstatt einer eigentumsrechtlichen Entflechtung lediglich eine organisatorische vorgesehen. Über diesen Weg sieht die Regierung Netzinvestitionen, die für die Integration erneuerbarer Energien und neuer Kraftwerke dringend erforderlich sind, am besten gewährleistet.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) äußerte sich zurückhaltend. "Der E.ON-Konzern muss wissen was er tut", sagte er. Die Pläne seien kein Affront gegen die Bemühungen der Bundesregierung für mehr Wettbewerb. Nach der Trennung vom Netz stelle sich aber die Frage: "Wer hält künftig die Netze in Ordnung?"

Experten sind erstaunt über E.ON-Offerte

Energieexperten zeigen sich verblüfft. "Ich bin überrascht, wenn die sich freiwillig trennen", sagte Hubertus Bardt vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Fraglich sei allerdings, wer als Käufer in Frage komme. Die Profitabilität dürfte seit der Kontrolle der Netzentgelte durch die Bundesnetzagentur gesunken sein. Zudem gebe es einen erheblichen Investitionsbedarf in die Netze. Insgesamt sei aber Bewegung in der Regulierungsdebatte auszumachen.

Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) sieht die Pläne skeptisch. Aus Sicht der Stromverbraucher verspreche ein Verkauf der Netze keine spürbar sinkenden Strompreise, sagte er. Grünen-Bundestags-Fraktionsvize Bärbel Höhn äußerte sich ähnlich. "Das riecht nach einem Ablenkungsmanöver. E.ON wird nicht freiwillig eine seiner Gelddruckmaschinen verkaufen, wenn es nicht unbedingt muss", sagte sie.

RWE und EnBW wollen Netze behalten

Die EU-Kommission geht seit rund drei Jahren gegen die Marktmacht der großen Energiekonzerne vor. Zum einen will sie auf politischer Ebene eine Zwangsentflechtung der Versorger durchsetzen, die ihr Übertragungsnetz abgeben sollen. Zum anderen hat sie in mehreren spektakulären Razzien führende Anbieter wegen des Vorwurfs wettbewerbswidrigen Verhaltens durchsuchen lassen, unter anderem E.ON. Der Düsseldorfer Konzern befürchtet nun eine Milliardenstrafe.

Entgegen vorherigen Berichten planen andere Konzerne jedoch keinen Netzverkauf. "Für uns gibt es gute Gründe, das Netz beim Versorger zu belassen", sagte eine RWE-Sprecherin. Eine eigentumsrechtliche Entflechtung sei der falsche Weg, vielmehr unterstütze man die Bundesregierung in ihren Bemühungen um eine alternative Lösung. Auch bei EnBW sei keine freiwillige Entflechtung von Netz und Produktion geplant, sagte ein Sprecher. Vattenfall ist hingegen noch unentschlossen. "Auch andere Eigentümerstrukturen wären denkbar", sagte ein Sprecher. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.