Übernahme

E.ON will mit Endesa die weltweite Nummer eins werden (Upd.)

Mit aktuellen Geschäftszahlen im Rücken geht der deutsche Energiekonzern E.ON gestärkt in den Kampf um den spanischen Energieversorger Endesa. Noch heute will das Unternehmen sein Gebot von 29,1 Milliarden Euro bei der spanischen Kapitalmarktsaufsichtsbehörde einreichen. Größter Konkurrent: Gas Natural.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp.djn/sm) - Der Energiekonzern E.ON will mit einer milliardenschweren Übernahme weltweit die Nummer eins werden. Für 29,1 Milliarden Euro - das ist mehr als die Hälfte des Umsatzes des vergangenen Jahres - will das Düsseldorfer Unternehmen alle Aktien des größten spanischen Stromversorgers Endesa kaufen.

E.ON würde damit nach eigenen Angaben von heute zum größten Anbieter von Strom und Gas in der Welt. Anleger reagierten euphorisch auf die Ankündigung. Der Kurs des Schwergewichts im deutschen Leitindex DAX markierte am Vormittag ein neues Allzeithoch bei knapp 99 Euro. Der Konzern stand in jüngster Zeit vor allem wegen Preiserhöhungen in den Schlagzeilen. Einschließlich der Nettofinanzverbindlichkeiten, Rückstellungen und Minderheitsbeteiligungen von Endesa zum Jahresende ergebe sich ein Transaktionsvolumen von insgesamt etwa 55,2 Milliarden Euro, teilte E.ON mit. Die Offerte gelte allerdings nur, wenn das Angebot für mindestens 50,01 Prozent der Anteile angenommen wird. Finanzieren will E.ON die Übernahme durch eigene Mittel und Bankdarlehen.

Mit dem Kauf würde laut E.ON ein Konzern mit 107 000 Beschäftigten und mehr als 50 Millionen Kunden in über 30 Ländern entstehen. Der Vorstandsvorsitzende Wulf Bernotat sagte, beide Unternehmen passten strategisch hervorragend zusammen. Die Position von E.ON im europäischen Markt werde gestärkt und in den Regionen, in denen Endesa präsent sei, ergäben sich attraktive Wachstumschancen. Die Übernahme, deren Abschluss E.ON bis Mitte 2006 erwartet, wird sich nach Einschätzung des Konzerns bereits im ersten vollen Jahr nach dem Abschluss ertragssteigernd auswirken.

E.ON würde durch diese größte Übernahme der Unternehmensgeschichte nach eigenen Angaben zum Marktführer im wachstumsstarken Stromgeschäft auf der iberischen Halbinsel, hieß es weiter. Gleichzeitig erschließe man sich eine starke Marktposition in wichtigen lateinamerikanischen Ländern. Diese zählten zu den am schnellsten wachsenden Energiemärkten der Welt. E.ON geht von einer freundlichen Übernahme des spanischen Versorgers aus. Die bisherigen Gespräche mit dem Management hätten in einer freundlichen Atmosphäre stattgefunden, sagte Bernotat. Er fügte hinzu, dass die spanische Regierung über das Kaufangebot informiert worden sei. Kartellrechtliche Probleme erwarte Bernotat nicht.

Anlässlich des Übernahmeangebots legte E.ON am Dienstag vorläufige Zahlen für 2005 vor. Danach stieg der Konzernumsatz um 21 Prozent auf 56,4 Milliarden Euro. Der Überschuss habe vor allem dank der Erlöse aus Beteiligungsverkäufen um 71 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro zugelegt. Darin seien Buchgewinne aus Unternehmensverkäufen enthalten. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern sei um 8,0 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro gestiegen. Dazu hätten unter anderem höhere Strompreise beigetragen, erläuterte E.ON. Der Energiekonzern kündigte eine Dividende von 7,00 Euro je Aktie an. Darin enthalten ist eine Sonderausschüttung von 4,25 Euro im Zusammenhang mit dem Verkauf der Degussa-Beteiligung. Für 2004 hatte E.ON eine reguläre Dividende von 2,35 Euro gezahlt.

Von Michael Wojtek