8,4 Prozent

E.ON will europäischen Energiemarkt und hält an Endesa-Übernahme fest

E.ON bringt sich gegenüber der EU-Androhung einer Zerschlagung der Energiekonzerne mit einem Konzept zur Neugestaltung der Branche in Europa in Stellung. Zudem hält das Unternehmen weiter an der Endesa-Übernahme fest, die ein Zusammenwachsen der "regionalen europäischen Energiemärkte vorantreiben" würde.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp-nrw/sm) - E.ON schlägt der EU-Kommission den Aufbau eines kontinentaleuropäischen Kernmarktes für Energie vor. "Ein solcher Ansatz wäre aus unserer Sicht der viel diskutierten Trennung der Strom- und Gasnetze von den Versorgungsunternehmen klar überlegen", sagte Vorstandschef Ulrich Bernotat gestern in Düsseldorf.

In diesem Kernmarkt sollen Bernotat zufolge die Energieunternehmen grenzüberschreitend zusammenarbeiten und Möglichkeiten zur Regulierung gefunden werden. Eine Trennung der Netze von den Versorgungsunternehmen sei dagegen auf die nationalen Märkte beschränkt und deshalb "kein Instrument zur Entwicklung des europäischen Marktes". Mit einer solchen Trennung will dagegen die EU den Wettbewerb ankurbeln und Preissenkungen durchsetzen.

Der Kernmarkt soll nach Vorstellung von E.ON zunächst aus Deutschland, Frankreich, Österreich, der Schweiz sowie den Beneluxstaaten bestehen und später zu einem gesamteuropäischen Markt ausgebaut werden. Angesichts der Herausforderungen für die Versorgungssicherheit und für den Klimaschutz brauche Europa eine Energiepolitik "aus einem Guss", sagte Bernotat bei Vorlage der Bilanz.

Vor diesem Hintergrund hält E.ON ungeachtet der Widerstände auch an der geplanten Übernahme des spanischen Versorgers Endesa fest. "Der Zusammenschluss würde das Zusammenwachsen der bisher noch regionalen europäischen Energiemärkte vorantreiben", betonte der E.ON-Chef. Zu Medienberichten, denen zufolge E.ON bis 25 Prozent seines italienischen Konkurrenten Enel kaufen will, um an die Endesa-Mehrheit zu kommen, nahm Bernotat keine Stellung.

Nach spanischem Recht darf E.ON während seines noch laufenden Bieterverfahrens, das am 29. März endet, keine Endesa-Aktien kaufen. Die mögliche Blockade der E.ON-Pläne kommt der spanischen Regierung entgegen, die die Übernahme zu verhindern sucht. E.ON will sich mindestens 50,01 Prozent der Endesa-Papiere sichern und so zu einem der weltweit führenden Strom- und Gasversorger werden.

Senkung der Gaspreise

Unterdessen bescherten höhere Strom- und Gaspreise E.ON auch im Vorjahr eine glänzende Bilanz. Der Umsatz legte gegenüber 2005 um 21 Prozent auf 67,8 Milliarden Euro zu. Doch die Preisfront soll zumindest beim Gas im Frühjahr erneut bröckeln: Für den 1. April kündigte Bernotat eine weitere Senkung der Gaspreise um bis zu 8,4 Prozent an. Sie waren bereits zum Jahresanfang wegen des gefallenen Ölpreises um fünf Prozent gesunken.

Wie gestern auf der Bilanzpressekonferenz ankündigt wurde, werden fünf der sieben Regionalversorger des Unternehmens die Gaspreise für private Haushalte zum 1. Mai oder zum 1. Juni senken. Die beiden anderen Regionaltöchter hätten dies schon zum 1. März getan. Der Schritt sei vor allem auf den in den vergangenen Monaten gesunkenen Ölpreis zurückzuführen, begründete E.ON die Ankündigung.

Bernotat verwies zudem darauf, dass europaweit auch mit sinkenden Strompreisen zu rechnen sei. Die Großhandelspreise beim Strom seien bereits deutlich gesunken, sagte er. Dies werde in einem nächsten Schritt auch den Endkunden zugute kommen.