Netzumbau

E.ON verkauft britisches Stromverteilgeschäft

E.ON-Chef Johannes Teyssen macht Ernst mit dem angekündigten Umbau des größten deutschen Energieversorgers. Nach seiner Gazprom-Beteiligung verkauft der Düsseldorfer Energiekonzern nun auch sein britisches Stromverteilnetz. Käufer ist der US-Konzern PPL Corporation.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (dapd/red) - Der Kaufpreis beläuft sich auf 4,7 Milliarden Euro. Teyssen sagte am Mittwoch: "Mit dem vereinbarten Kaufpreis realisieren wir einen exzellenten Wert für E.ON."

Der Milliardendeal ist Bestandteil eines Strategiewechsels beim Stromanbieter E.ON, den Teyssen schon kurz nach seinem Amtsantritt im Herbst vergangenen Jahres angekündigt hatte. Der Konzern will künftig vor allem außerhalb Europas wachsen und stellt deshalb beträchtliche Teile des bestehenden Geschäfts zum Verkauf. Teyssen will bis Ende 2013 Geschäftsaktivitäten im Wert von rund 15 Milliarden Euro veräußern. Damit soll der Schuldenberg des Konzerns in Höhe von 45 Milliarden Euro abgebaut und Spielraum für die geplante globale Expansion gewonnen werden.

Mit dem Verkauf der Gazprom-Beteiligung, seines italienischen Gasnetzes und des britischen Stromnetzes hat Teyssen bereit knapp vier Monate nach der Ankündigung rund die Hälfte des geplanten Verkaufsprogramms abgearbeitet.

Die nun verkaufte britische Tochter Central Networks ist der zweitgrößte Stromverteilnetzbetreiber in Großbritannien. Das Unternehmen betreibt in den britischen Midlands ein Regionalnetz mit eine Länge von rund 133.000 Kilometern und liefert Strom an über fünf Millionen Netzkunden.

Teyssen unter Zugzwang

Den Grundstock für die britische Verteilnetz-Tochter hatte E.ON bereits 2002 bei der Übernahme des britischen Energieversorgers Powergen erworben und seine Marktposition später durch die 1,6 Milliarden Euro teuere Übernahme des benachbarten Verteilnetzbetreibers Midlands Electricity ausgebaut. Trotz der hohen Erwerbskosten bezifferte der Stromanbieter den Buchgewinn der aktuellen Transaktion auf rund 200 Millionen Euro.

Teyssen begründete den Verkauf von Central Network damit, dass das Unternehmen E.ON nur sehr eingeschränkte Perspektiven für weitere Wertsteigerungen biete. Außerdem unterliege es einem strengen Regulierungsrahmen und eröffne daher keine Möglichkeiten, Synergien mit den anderen Geschäften in Großbritannien zu heben. PPL wird durch den Kauf zu einem der größten Stromversorger Großbritanniens. Der Verkauf verschaffe E.ON dagegen zusätzliche finanzielle Flexibilität.

Teyssen sieht sich unter Zugzwang. Denn der Konzern erwartet in den nächsten Jahren in den angestammten Märkten erhebliche wirtschaftliche Belastungen, etwa durch die von der Bundesregierung beschlossenen Steuer auf Kernbrennstoffe, die steigenden Kosten für die Beschaffung von CO2-Zertifikaten, den Preisverfall im Gasgeschäft und niedrigere Großhandelsmargen beim Strom.

Bereits im Dezember 2010 hatte E.ON sein 3,5-prozentiges Aktienpaket am weltgrößten Erdgas-Produzenten Gazprom für 3,4 Milliarden Euro verkauft. Mit den Milliarden aus den Firmenverkäufen will E.ON nicht zuletzt seine globalen Expansionspläne finanzieren. Bereits 2015 will der Düsseldorfer Konzern 25 Prozent seines Ergebnisses in den Wachstumsmärkten außerhalb Europas erwirtschaften, bisher sind es gerade einmal fünf Prozent.