Beteiligungen aus Endesa-Übernahmekampf

E.ON übernimmt milliardenschwere Beteiligungen in Südeuropa

E.ON baut seine Marktposition in Europa deutlich aus. Als Folge des vor knapp einem Jahr gescheiterten Übernahmepokers um den spanischen Versorger Endesa wird E.ON nun ein milliardenschweres Paket von Kraftwerken und anderen Beteiligungen vor allem in Spanien, Frankreich und Italien von den Endesa-Eignern übernehmen.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/sm) - Die Übernahme der Beteiligungen vom italienischen Energiekonzern Enel und der spanischen Acciona-Gruppe soll bis Ende September abgeschlossen sein, wie E.ON mitteilte. E.ON zahlt für das Paket den Angaben zufolge rund 8,9 Milliarden Euro. Einschließlich der Verbindlichkeiten liege der Preis bei rund 11,8 Milliarden Euro. Der Preis wurde am Freitag vom E.ON-Aufsichtsrat gebilligt. Enel und Acciona hatten den Wert auf 13,5 Milliarden Euro beziffert. Die Differenz geht auf Minderheitsbeteiligungen von Dritten an den Erzeugungskapazitäten zurück.

"Mit dieser Transaktion bauen wir unsere Stellung in Spanien, wo wir bereits im Windenergiemarkt stark vertreten sind, und in Italien in erheblichem Umfang weiter aus", sagte E.ON-Chef Wulf Bernotat. Mehr Geld als erwartet wird E.ON dadurch zunächst aber nicht verdienen. Beim Nettoergebnis erwarte der Konzern zurzeit ein Ergebnis im mittleren Bereich der bisherigen Prognose, wonach der Überschuss 2008 um drei bis fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen soll. Allerdings stellte E.ON jährliche Synergien in Höhe von 70 Millionen Euro in Aussicht. Die E.ON-Aktie führte am Freitagnachmittag die Verliererliste im DAX mit einem Minus von 3,4 Prozent auf 117,20 Euro an.

Im Einzelnen soll E.ON in Spanien von Enel den Stromversorger Viesgo sowie weitere spanische Erzeugungskapazitäten von Endesa mit einer Kapazität von insgesamt rund drei Gigawatt erwerben, hieß es. Bis 2010 werde diese Kapazität durch bereits laufende Neubauprojekte auf rund fünf Gigawatt Kraftwerkskapazität steigen. Mit einem Marktanteil von deutlich über zehn Prozent werde E.ON dann die Nummer vier in Spanien. Mit der Übernahme versorgt E.ON in Spanien rund 580.000 Kunden.

In Italien kann E.ON den Angaben zufolge 80 Prozent an Endesa Italia mit einer Erzeugungskapazität von gut 7,2 Gigawatt übernehmen. Dadurch werde E.ON dort viertgrößter Stromerzeuger. Diese Kapazitäten ergänzten das dortige bereits bestehende Geschäft von E.ON. Zudem erhalte der Versorger Zugang zu einem Flüssiggasterminal. In Frankreich bekomme E.ON durch die Übernahme von 65 Prozent an Endesa France/SNET eine Kraftwerkskapazität von rund 2,5 Gigawatt und werde damit die Nummer drei in der Stromerzeugung.

Hintergrund für den Milliardendeal ist der gescheiterte Übernahmekampf um Endesa, den E.ON im April 2007 nach rund einem Jahr gegen Enel und Acciona verloren hatte. E.ON hatte sich mit Acciona und Enel darauf geeinigt, die Übernahme von Endesa nicht weiter verfolgen zu wollen. Im Gegenzug sollten Enel und Acciona Beteiligungen im Energiebereich in zahlreichen Ländern abgeben. Das Volumen der Beteiligungen war seit der Grundsatzverständigung vor einem Jahr lediglich allgemein mit "rund zehn Milliarden Euro" angegeben worden.