Übernahme von Stromerzeuger

E.ON steigt in russischen Strommarkt ein

E.ON drängt auf den russischen Strommarkt. In zwei Schritten will das Düsseldorfer DAX-Unternehmen 70 Prozent des russischen Großkraftwerksbetreibers OGK-4 übernehmen. Die Transaktion soll bereits im Oktober abgeschlossen sein, sagte E-ON-Vorstandschef Wulf Bernotat.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/sm) - Bernotat zeigte sich zuversichtlich, dass die Übernahme wie angekündigt stattfinden wird. Die russische Seite habe ein großes Interesse an einem Partner mit Kapital und Know-how, sagte er. Noch für das vierte Quartal 2007 stellte E.ON ein öffentliches Übernahmeangebot an die außenstehenden Minderheitsaktionäre von OGK-4 in Aussicht, das der Konzern nach russischem Kapitalmarktrecht machen muss.

Dabei steht bereits fest, dass E.ON nur bei Kleinaktionären Erfolg haben könnte, die rund sieben Prozent der Anteile halten. Der russische Strommonopolist RAO UES wird seine 23 Prozent nach Angaben von Bernotat behalten. Sollten E.ON bei dem öffentlichen Angebot die kompletten sieben Prozent der Anteile von den Kleinaktionären angedient werden, würde der Kaufpreis noch einmal um weitere 500 Millionen Euro steigen.

Bernotat verteidigte den hohen Preis mit dem attraktiven Kraftwerkspark von OGK-4. Das Unternehmen sei den anderen zu privatisierenden Großkraftwerksgesellschaften in Russland deutlich überlegen, sagte er. Zudem habe E.ON bei OGK-4 im Gegensatz zu anderen Unternehmen eine Mehrheit erwerben können. Der Kaufpreis erfülle sämtliche strengen Finanz- und Strategiekriterien von E.ON, betonte er.

Laut Bernotat ist derzeit noch offen, ob sich E.ON nach der Übernahme von OGK-4 an weiteren Privatisierungsschritten in der russischen Stromwirtschaft beteiligen wird. "Wir werden den Prozess weiter beobachten. Eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen", sagte Bernotat. E.ON hatte sich in der Vergangenheit unter anderem für das Unternehmen TDK-10 interessiert. Erst im Mai hatte der DAX-Konzern deshalb im westsibirischen Tyumen ein Joint Venture mit dem russischen Versorger STS gegründet.

Analysten sehen Einstieg E.ONs positiv

Russland will im Zuge der geplanten Liberalisierung insgesamt 20 Kraftwerksgesellschaften zur Privatisierung ausschreiben. E.ON beziffert den Investitionsbedarf der russischen Stromwirtschaft allein für die Jahre 2006 bis 2010 auf über 120 Milliarden Dollar (rund 86,6 Milliarden Euro). Der russische Strommarkt wächst derzeit mit rund fünf Prozent im Jahr.

Aus strategischer Sicht sei der Einstieg von E.ON in den Markt positiv zu sehen - auch wenn der Kaufpreis hoch sei und es höhere politische Unsicherheiten als in den westeuropäischen Märkten gebe, sagte der Gerold Deppisch, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Auch Ingo Becker von Kepler Equities sieht den Einstieg in Russland als sinnvoll an: E.ON kaufe sich in die "Liberalisierungs-Story" des dortigen Versorgersektors ein, sagte er.

An der Frankfurter Börse legte die E.ON-Aktie bis gegen 14.00 Uhr um ein Prozent auf 127 Euro zu.