Bericht

E.ON: Standortschließungen könnten hunderte Jobs kosten

Der Düsseldorfer Energieriese E.ON will nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" drei Standorte schließen. Neben München und Hannover soll es auch das ehemalige Aushängeschild des Konzerns, die Tochter E.ON Ruhrgas, treffen.

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Berlin (dapd-nrw/red) - Ein E.ON-Sprecher sagte am Sonntag, der Inhalt des Berichts werde nicht kommentiert. Er fügte hinzu: "In Folge der erheblich veränderten Rahmenbedingungen prüft E.ON derzeit mögliche Anpassungen der Strategie und der Aufstellung des Unternehmens." Entscheidungen hierzu seien noch nicht gefallen.

Pläne müssen noch durch den Aufsichtsrat

Laut "Spiegel" will E.ON mit der Standortschließung auf die anhaltende Krise des Konzerns reagieren. Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen müsse die vorläufigen Pläne allerdings noch durch den Aufsichtsrat bringen. Wie das Magazin weiter berichtet, sollen weiter benötigte Geschäftsbereiche der Töchter auf bestehende oder neu zu schaffende Gesellschaften in der Düsseldorfer Konzernzentrale übertragen werden. Ähnliche Modelle seien auch für ausländische E.ON-Unternehmen geplant.

Hunderte Arbeitsplätze in Gefahr

Von dem scharfen Schnitt wären laut "Spiegel" erneut mehrere Hundert Arbeitsplätze betroffen. Schon bei der Sparrunde im Jahr 2009 hatte E.ON in Deutschland 2.000 und weltweit weitere 4.000 Arbeitsplätze gestrichen. Die Gewerkschaft Ver.di kündigte bereits Widerstand gegen eine mögliche Ruhrgas-Schließung an. "Wir kennen keine konkreten Pläne. Aber es ist schwer vorstellbar, dass ein solches Konzept eins zu eins den Aufsichtsrat passieren kann", sagte ein Sprecher den Zeitungen der Essener WAZ-Mediengruppe (Montagausgabe).

Teyssen hatte vor wenigen Tagen im "Manager Magazin" von erheblichem Handlungsbedarf bei Deutschlands größtem Energieversorger gesprochen. E.ON wolle in Zukunft wieder wachsen. Vorrangige Aufgabe im Moment sei es aber, das Geschäft abzusichern und neu aufzustellen. "Wenn wir das jetzt nicht richtig machen, werden wir die wachstumsstarke Zukunft nicht mehr erleben", zitierte das Magazin den Konzernchef.

Verhandlungen mit Gazprom vor dem Aus

Das Magazin "Focus" meldete am Sonntag unter Berufung auf Verhandlungskreise, dass die monatelangen Verhandlungen zwischen E.ON und dem russischen Gasriesen Gazprom über niedrigere Gaspreise vor dem endgültigen Scheitern stünden. In den langfristigen Verträgen zwischen beiden Seiten seien Konditionen festgeschrieben, die sich am Ölpreis orientieren. Derzeit dränge aber relativ billiges frei verfügbares Erdgas auf den Markt. E.ON wird laut "Focus" nun vermutlich ein internationales Schiedsverfahren anrufen.

Der Konzernsprecher bezeichnete den Bericht als Spekulation. Er verwies auf die Pressekonferenz des Konzerns zu den Ergebnissen des zweiten Quartals am 10. August.

Im ersten Quartal hatte E.ON ein Drittel weniger als im Vorjahr verdient. Vor allem Verluste im Gasgeschäft und niedrigere Strompreise machten dem Energieriesen zu schaffen und ließen den bereinigten Konzernüberschuss um 34 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro sinken. Daraufhin senkte der Konzern seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr. Die Stilllegung der E.ON-Atomkraftwerke ist dabei aber noch nicht berücksichtigt.