Tausch

E.ON sichert RAG-Anteil an Ruhrgas und gibt Mehrheit an Degussa ab

Die von der E.ON AG beabsichtigte Übernahme der Ruhrgas AG schreitet weiter voran: Vom Steinkohleproduzenten RAG erwirbt E.ON 18,4 Prozent an Ruhrgas, derweil man im Gegenzug die Mehrheit an Degussa in zwei Schritten abgibt. Der "Tausch" ist abhängig von der noch ausstehenden Ministererlaubnis.

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Die E.ON AG ist hinsichtlich der Übernahme der Ruhrgas AG einen weiteren Schritt vorangekommen: Wie der Düsseldorfer Konzern in einer gestern veröffentlichten Pflichtmitteilung bekannt gab, hat man mit der RAG Aktiengesellschaft (Essen) eine Vereinbarung abgeschlossen, die - gemeinsam mit den bereits zuvor vereinbarten Anteilserwerben - zur Mehrheitsübernahme der Ruhrgas AG führt. Zugleich will sich E.ON in zwei Etappen von der Degussa AG trennen. Die Vereinbarung freilich ist abhängig von der von E.ON beantragten Ministererlaubnis für die Übernahme der Ruhrgas-Mehrheit.

E.ON erwirbt von RAG eine Beteiligung von 18,4 Prozent an Ruhrgas, die im Wesentlichen über die Bergemann GmbH gehalten wird. Der Kaufpreis beträgt rund 1,9 Milliarden Euro.

Im Gegenzug übernimmt RAG in zwei Stufen die Mehrheit an Degussa. Zunächst wird RAG ein öffentliches Übernahmeangebot zu 38 Euro je Degussa-Aktie unterbreiten. Einschließlich der am 21. Mai fälligen Dividende von 1,10 Euro für das Geschäftsjahr 2001 liegt dieser Preis um 11,5 Prozent über dem Durchschnittskurs der letzten drei Monate. E.ON werde im Rahmen des Übernahmeangebots so viele Degussa-Aktien an RAG abgeben, dass nach Abschluss des Verfahrens beide Unternehmen in gleicher Höhe an Degussa beteiligt seien. RAG und E.ON würden Degussa dann gleichberechtigt unternehmerisch führen - so könne E.ON das laufende Neuausrichtungsprogramm der Degussa weiter begleiten, wie es heißt. Der Aufsichtsratsvorsitzende soll von RAG benannt werden.

In der zweiten Stufe wird RAG zum 31. Mai 2004 ihre Degussa-Beteiligung auf eine Mehrheit von 50,1 Prozent erhöhen. Die dazu erforderlichen Aktien wird E.ON zum gleichen Preis wie beim Übernahmeangebot an RAG verkaufen. Danach wird RAG die Kontrolle über Degussa ausüben. Die Abgabe der nach diesem Schritt bei E.ON verbleibenden Aktien soll vorzugsweise über die Börse erfolgen. Degussa erhalte so die Chance, auch in Zukunft ein attraktiver Börsenwert zu bleiben.

Die vereinbarte Transaktion, heißt es seitens E.ON, verschaffe Degussa langfristig eine gute strategische Perspektive und gesicherte Rahmenbedingungen. Das weltweit tätige Spezialchemieunternehmen werde in seiner Gesamtheit erhalten und bei RAG zu einem Kerngeschäft des Konzerns avancieren.

Für das In-Kraft-Treten der mit RAG getroffenen Vereinbarungen ist entscheidend, ob das Bundeswirtschaftsministerium die Ministererlaubnis für die Übernahme der Ruhrgas-Mehrheit durch E.ON erteilt. Der Düsseldorfer Energiekonzern rechnet diesbezüglich mit einer Entscheidung bis Mitte Juli. Darüber hinaus ist auch für die Übernahme von Degussa durch RAG eine kartellrechtliche Freigabe erforderlich.