Nach Razzia

E.ON setzt nach Kartellvorwürfen auf schnelle Klärung

Nach den Razzien der EU-Kommission beim Energiekonzern E.ON in Düsseldorf und München hofft der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Wulf Bernotat, auf ein schnelles Ergebnis der Ermittlungen. Bis dahin dürfe es keine Vorverurteilungen geben, sagte der E.ON-Chef.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Frankfurt/Main (ddp-bay/sm) - E.ON warte das Ergebnis ab und äußere sich während des laufenden Verfahrens nicht zu inhaltlichen Details, sagte Bernotat der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Dienstagausgabe). Der Konzern habe gegenüber der Behörde nichts zu verbergen und alle gewünschten Informationen zur Verfügung gestellt.

Fahnder der EU-Kommission und des Bundeskartellamts hatten in der vergangenen Woche die Zentralen des Energiekonzerns durchsucht und laut Medienberichten Unterlagen, Datenträger sowie Computer des Spitzen-Managements beschlagnahmt. Grund sollen Hinweise auf die Existenz von Vereinbarungen zur Marktaufteilung zwischen großen deutschen Stromversorgern sein. Bereits am 16. Mai hatte die EU-Kommission in einer europaweiten Aktion wegen des Verdachts wettbewerbswidriger Praktiken die Zentralen zahlreicher großer Gasversorger durchsuchen lassen. Auf deutscher Seite waren davon die E.ON-Tochter Ruhrgas sowie der RWE-Konzern betroffen.

Die Marktöffnung sei in Deutschland im europäischen Vergleich schon sehr weit fortgeschritten, sagte Bernotat. Hier hätten sich deutlich mehr Unternehmen auf dem Markt etabliert als in anderen Ländern Europas. Vor allem bei Industriekunden gebe es einen scharfen Wettbewerb zwischen den Strom- und Gasanbietern. Die Haushaltskunden hätten beim Strom seit Jahren freie Wahlmöglichkeiten, auch beim Gas sei es bald soweit. Manche Länder in Europa nutzten demgegenüber die von der EU gesetzten Fristen für die Marktöffnung "bis zum letzten Drücker" aus.

Die hohen Preise seien kein Beleg für mangelnden Wettbewerb, sagte Bernotat. Kein Markt könne sich von internationalen Preisentwicklungen abkoppeln. Das gelte selbst für Länder wie Großbritannien, die gemeinhin als besonders wettbewerbsintensiv gälten. Dort seien die Preissteigerungen in letzter Zeit sogar deutlich höher als in Deutschland, sagte Bernotat.