Weitere Reaktionen

E.ON schließt neue Akquisitionen in Europa nicht aus

Die Endesa-Einigung stößt weiter auf breite Zustimmung. E.ON-Chef Wulf Bernotat sieht die Position des Konzerns im europäischen Energiemarkt "nachhaltig verbessert", auch wenn man das ursprüngliche Ziel nicht erreicht habe. Weitere Übernahmen in Europa schloss Bernotat indes nicht aus.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/sm) - Wie bereits berichtet, hat die Düsseldorfer E.ON AG ihr Ziel, zum weltweit größten Energiekonzern aufzusteigen, vorerst aufgegeben. Das Unternehmen hält aber auch nach der gescheiterten Übernahme des spanischen Versorgers Endesa weiter Ausschau nach geeigneten Übernahmekandidaten. Der Vorstandsvorsitzende Wulf Bernotat sagte am Dienstag in Madrid, alle Beteiligten hätten "einen vernünftigen Ausweg aus der immer stärker verfahrenen Situation um Endesa" gefunden.

Die Vereinbarung, die einen Schlusspunkt unter eine vor mehr als einem Jahr begonnene Übernahmeschlacht setzte, verhindere eine weitere Eskalation der Auseinandersetzung mit der spanischen Acciona-Gruppe und dem italienischen Energiekonzern Enel. E.ON selbst sei durch den Deal "strategisch ein großes Stück vorangekommen", sagte Bernotat am Tag nach dem Rückzug E.ONs aus dem Bietergefecht.

Bei Analysten stieß die Einigung auf breite Zustimmung. An der Börse zeigte sich die E.ON-Aktie deutlich im Plus. Bis zum Nachmittag legte das im DAX notierte Papier mehr als 7 Prozent auf 109,44 Euro zu. Für die Bundesregierung begrüßte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg den Kompromiss.

Bei der Westdeutschen Landesbank hieß es, die jetzt gefundene Lösung sei die beste für alle Beteiligten. Die Geschäftsanteile an Endesa, die sich E.ON im Gegenzug für seinen Ausstieg gesichert habe, seien «sehr attraktiv». Ähnlich äußerte sich auch Analyst Stephan Wulf von Sal. Oppenheim. Dass mit der Einigung eine weitere monatelange Hängepartie vermieden werde, sei unter den gegebenen Umständen die beste Lösung, sagte er. E.ON habe noch immer die Möglichkeit, in Osteuropa über Zukäufe weiter zu wachsen und könne auch ein neues Aktienrückkaufprogramm starten.

E.ON selbst schloss neue Akquisitionsversuche in Europa nicht aus. "Weitere Konsolidierungs-Schritte der Energiebranche werden wir als aktiver Spieler mitgestalten", sagte Bernotat. Auch nach der Übernahme der Beteiligungen von Enel, Acciona und Endesa in Spanien, Italien und Frankreich werde E.ON "über eine hohe Finanzkraft verfügen, die uns Handlungsspielräume sichert".

E.ON hatte am Montagabend nach einer Einigung mit Acciona und Enel angekündigt, wegen der fehlenden Aussicht auf Erfolg eine Übernahme von Endesa nicht weiter verfolgen zu wollen. Im Gegenzug sollen Enel und Acciona, die bereits 46 Prozent an Endesa halten und im Übernahmekampf gegen E.ON konkurriert hatten, Beteiligungen in Spanien, Italien, Frankreich, Polen und der Türkei im Wert von zehn Milliarden Euro an E.ON abgeben.

Nach Einschätzung von Bernotat hat E.ON dadurch die starke Position des Konzerns im europäischen Energiemarkt "nachhaltig verbessert". E.ON werde künftig vor allem in Südeuropa stärker vertreten sein, sagte er. "Damit haben wir unser strategisches Ziel erreicht, wenngleich auch nicht in dem ursprünglich angestrebten Umfang."

Zunächst wollen nun Enel und Acciona die Mehrheit an Endesa übernehmen. Ein gemeinsames Übernahmeangebot mit einem Volumen von 43 Milliarden Euro soll Insiderkreisen zufolge bereits am 12. April den Behörden vorgelegt werden. E.ON hatte zuletzt 40 Euro je Endesa-Aktie, also insgesamt 42,3 Milliarden Euro geboten. Acciona will zusammen mit Enel offiziell mindestens 41 Euro bieten und erwartet einen Abschluss der Transaktion in fünf bis sieben Monaten.