Gewinn gestiegen

E.ON Ruhrgas verteidigt Gaspreiserhöhungen

Deutschlands größter Gashändler E.ON Ruhrgas hat trotz kräftiger Gewinne Kritik an seinen deutlichen Gaspreiserhöhungen zurückgewiesen. Die Einkaufspreise für Erdgas seien erheblich schneller gestiegen als die Verkaufspreise, sagte der Vorstandsvorsitzende Burckhard Bergmann heute in Essen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (ddp.djn/sm) - Dies habe das operative Ergebnis im vergangenen Jahr "erheblich belastet". Von den höheren Preisen profitierten lediglich die internationalen Produzenten.

Ruhrgas hatte 2005 nach eigenen Angaben insbesondere durch ein starkes Auslandsgeschäft mit einem um acht Prozent auf knapp 690 Milliarden Kilowattstunden erhöhten Absatz einen neuen Rekord verbucht. Das Unternehmen beliefert Kunden in 13 Ländern. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sei um 14 Prozent auf etwa 1,5 Milliarden Euro gestiegen. Das Jahresergebnis habe sich auf 1,75 Milliarden Euro nach 968 Millionen Euro im Vorjahr erhöht. Der Umsatz sei um 35 Prozent auf knapp 17,9 Milliarden Euro geklettert.

Nach Angaben von Bergmann gibt es derzeit Verhandlungen mit den Gasproduzenten, damit die Importpreise nicht noch weiter erhöht werden. Die Produzenten wollten die derzeitigen Preisformeln in den Bezugsverträgen entsprechend ändern. Die Lieferanten dürften die zeitweilige Knappheit an Erdgas nicht für überhöhte Preise missbrauchen, forderte der Vorstandsvorsitzende. Es gelte, Erdgas auch in Zukunft am Wärmemarkt wettbewerbsfähig zu halten.

Nach Einschätzung von Bergmann hat sich die umstrittene Ölpreisbindung in den Gasverträgen gerade in den vergangenen Monaten bewährt. Während an den Spotmärkten in Großbritannien zeitweise eine Vervierfachung der Großhandelspreise für Erdgas verzeichnet worden sei, hätten die Importpreise im übrigen Europa keine derartigen Ausschläge gezeigt.

Im vergangenen Jahr investierte der Essener Gasversorger nach eigenen Angaben fast 531 Millionen Euro unter anderem in Projekte zum Ausbau der Infrastruktur. Einen großen Schritt zum Aufbau eigener Erdgasressourcen will das Unternehmen durch eine Beteiligung von einem Viertel am russischen Gasfeld Yushno Russkoje erreichen. Derzeit verhandele man mit dem russischen Gazprom-Konzern über einen solchen Schritt, habe bislang aber noch keine endgültige Einigung erzielt, betonte Bergmann. Zudem erwäge der Konzern den Einstieg in den Import von verflüssigtem Erdgas (LNG) - bereits im vergangenen Jahr sei mit der Planung des ersten deutschen Anlandeterminals für LNG in Wilhelmshaven begonnen worden. Auch Terminal-Standorte in Großbritannien und der kroatischen Adria-Insel Krk würden geprüft.

Zur weiteren Entwicklung des Erdgaspreises wollte Bergmann keine Angaben machen. Diese Entwicklung hänge von vielen Faktoren wie steigenden Ölpreisen oder den Wechselkursen ab und sei derzeit nicht vorhersehbar. "Da wage ich keine Prognose", erklärte er. Zwischen Januar 2005 und diesem Frühjahr sei der Preisanstieg beim Erdgas aber noch vergleichsweise moderat ausgefallen: So stieg der Preis für Haushaltsgas in Deutschland um rund 20 Prozent, bei schwerem Erdöl lag der Zuwachs dagegen bei knapp 80 Prozent.

Kritik äußerte der Vorstandsvorsitzende daran, dass das Bundeskartellamt vor allem durch sein Verbot von langfristigen Lieferverträgen das Geschäft des Konzerns in ein "enges Korsett" gepresst habe. Das Amt hatte E.ON Ruhrgas im Januar 2006 per Verfügung untersagt, ab dem 1. Oktober bestimmte langfristige Gaslieferverträge weiter durchzuführen. Dagegen legte der Konzern Rechtsmittel ein - am 7. Juni soll die Entscheidung in dem Fall getroffen werden. Man habe mit allen kommunalen Gaskunden Gespräche über eine weitere Versorgung geführt, erklärte das für Vertrieb zuständige Vorstandsmitglied, Michael Pfingsten. Auch wenn E.ON Ruhrgas die langfristigen Lieferverträge untersagt würden, seien die Kommunen in der Mehrzahl an neuen Vertragsabschlüssen interessiert, hieß es.