Indirekt auch für Privathaushalte möglich

E.ON Ruhrgas: Gaspreise könnten 2007 wieder sinken

Deutschlands größter Gasversorger E.ON Ruhrgas will zum Jahresanfang 2007 die Preise auf der Großhandelsstufe senken. Eine weitere Preissenkung sei zum 1. April möglich, kündigte Ruhrgas-Vorstandschef Burckhard Bergmann am Montag in Düsseldorf an. Privathaushalte könnten indirekt profitieren.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp-nrw/sm) - Von der Preissenkung profitieren Großkunden wie Regionalversorger und Stadtwerke. Diese könnten die Preissenkungen aber an die Verbraucher weitergeben, betonte Bergmann.

Hintergrund sind die Preisrückgänge beim Öl in den zurückliegenden Wochen. Durch die so genannte Ölpreisbindung müssen diese Preisabschläge an den Gasmarkt durchgereicht werden. Die bevorstehenden Preisrückgänge beim Gas zeigten, dass die Ölpreisbindung "keine Einbahnstraße" sei, sagte Bergmann. Nach seiner Einschätzung wird der Erdgasverbrauch in Deutschland künftig nur noch "sehr langsam" steigen.

E.ON kündigte zugleich eine Initiative für mehr Wettbewerb auf dem deutschen Gasmarkt an. Ab Oktober 2007 will das Unternehmen den Zugang zu seinem 11 000 Kilometer umfassenden Gasnetz erleichtern und dazu die Zahl seiner so genannten Marktgebiete von vier auf zwei halbieren. Künftig soll es nur noch ein Marktgebiet für energiereiches H-Gas und energieärmeres L-Gas geben. Bisher hatte E.ON allein für H-Gas drei Marktgebiete. Bergmann sprach von einem "Riesenschritt" für die Vereinfachung des Netzzugangs.

Vor allem die große Zahl von derzeit insgesamt 19 Marktgebieten in Deutschland führen Wettbewerber als Haupthindernis für den Netzzugang an. Bisher entfallen allein insgesamt zehn Marktgebiete auf die Großanbieter E.ON Ruhrgas, die allein die Hälfte des in Deutschland verbrauchten Gases importiert, sowie RWE und Wingas. Händler, die ihr Gas durch Deutschland transportieren wollen, müssen vor diesem Hintergrund je nach Fall mit jedem zwischen Einspeisung und Ausspeisung liegenden Marktgebiet verhandeln.

Auch die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde hatte immer wieder eine Reduzierung der Marktgebiete angemahnt. Eine rechtliche Vereinfachung des Netzzugangs hatte die Behörde unterdessen im November auf den Weg gebracht. Künftig brauchen Gashändler nach dem so genannten Entry-Exit-Modell nur noch zwei Verträge jeweils mit dem Netzbetreiber an der Einspeisestelle (Entry) und an der Entnahmestelle (Exit) schließen. Wer die dazwischen liegenden Gasnetze betreibt, spielt keine Rolle mehr.

Nach Einschätzung von Bergmann wird die E.ON-Initiative den Druck auf die anderen Wettbewerber verstärken, den Zugang zu ihren Netzen ebenfalls zu vereinfachen. Für den Gasmarkt insgesamt sieht der Manager mittelfristig keine Versorgungsengpässe. Ohnehin werde der Bedarf an Erdgas in Deutschland nur noch "sehr langsam" steigen.

E.ON erwartet eine entspannte Situation bei der Gasversorgung in Deutschland in diesem Winter. Angesichts des derzeitigen Wetters seien die Gasspeicher "rammelvoll", teilte Bergmann mit. Dies sei eine gute Basis für die anstehenden Wochen - zumindest für das erste Quartal 2007.

Für Unruhe hatte im vergangenen Winter der Streit zwischen dem russischen Gaskonzern Gazprom und der Ukraine geführt. Durch den zeitweiligen Lieferstopp an die ehemalige Sowjetrepublik war auch in Deutschland weniger Gas angekommen. Die Bundesregierung hatte wegen der verminderten Gaslieferungen mehrfach die Zuverlässigkeit der Vertragspartner angemahnt. Rund 80 Prozent der russischen Gasexporte nach Westeuropa führen über die Ukraine.

E.ON ist zu 6,4 Prozent an Gazprom beteiligt. Die E.ON-Tochter E.ON-Ruhrgas importiert rund 50 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases und ist damit mit Abstand das größte deutsche Gasunternehmen.

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