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E.ON im Milliarden-Rausch (Upd.)

E.ON hat sein 60-Milliarden-Euro-Investitionspaket weiter präzisiert. E.ON-Chef Bernotat bestätigte zudem erstmals die Teilnahme an der Russland-Auktion. Am Mittag schoss die Aktie auf ein neues Allzeithoch. Darüber hinaus hat der Aufsichtsrat den Vertrag des Vorstandsvorsitzenden verlängert.

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Düsseldorf (ddp/sm) - Nach der gescheiterten Endesa-Übernahme orientiert sich E.ON neu und beschleunigt sein Wachstumstempo: Deutschlands größter Energiekonzern hat Milliarden-Investitionen in neue Kraftwerke und Zukäufe beschlossen. Der Fokus des 60-Milliarden-Euro-Investitionsplans richte sich dabei auf den europäischen Markt, teilte der DAX-Konzern am Donnerstag mit. Ziel sei es, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) bis 2010 im Schnitt um zehn Prozent jährlich zu erhöhen. Anleger und Analysten werteten das Investitionsprogramm positiv: Der Aktienkurs erreichte am Vormittag ein Allzeithoch.

Der Investitionsplan sieht vor, bis 2010 rund zwölf Milliarden Euro in neue Kraftwerke zu pumpen, zehn Milliarden Euro sollen in das Gasgeschäft und drei Milliarden Euro in erneuerbare Energien fließen. Für die Regionen Russland, Türkei und Südosteuropa sind den Angaben zufolge sechs Milliarden Euro vorgesehen. Hinzu kommen zehn Milliarden Euro für die mit Enel und Acciona vereinbarte Übernahme von Endesa-Geschäftsbereichen.

Das Ergebniswachstum soll durch die Milliarden-Investitionen einen Wachstumsschub erhalten: Bis 2010 soll das Ebit von 8,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf 12,4 Milliarden Euro steigen. Rund drei Milliarden Euro sollen die Investitionen beisteuern, eine Milliarde Euro soll aus der Optimierung des Handelsgeschäfts und damit aus dem operativen Bereich kommen. Der Handel und die Stromerzeugung sollen deshalb künftig stärker europäisch ausgerichtet werden: Alle europäischen Handelsaktivitäten - einschließlich Strom, Gas, Kohle, Öl und CO2-Zertifikate - werden in der neuen Tochter E.ON Energy Trading gebündelt.

E.ON will den Angaben zufolge die Erzeugungskapazitäten bis 2010 um rund 50 Prozent steigern. In den nächsten Jahren gebe es 18 Kraftwerks-Projekte mit insgesamt über 13 500 Megawatt an neuer Erzeugungskapazität. Gleichzeitig sollen die CO2-Emissionen im Konzern deutlich gesenkt werden - bis 2030 auf etwa 0,36 Tonnen pro Megawattstunde. Dies seien 50 Prozent weniger als 1990, sagte E.ON-Vorstandsvorsitzender Wulf Bernotat.

Bernotat bestätigte zudem erstmals, dass der Konzern am 6. Juni an einer Auktion in Russland teilnehmen werde, bei der 25,03 Prozent an dem Stromunternehmen OGK-5 versteigert werden. Bernotat sagte, der Einstieg bei der Gesellschaft könne E.ON rund eine Milliarde Euro kosten. Eine genaue Investitionssumme für Russland wollte Bernotat indes nicht nennen.

Außerdem will E.ON für Aktienrückkäufe rund sieben Milliarden Euro ausgeben. Der Erwerb der Anteile soll Ende 2008 abgeschlossen sein. Den Anlegern winkt eine deutlich erhöhte Dividenden-Ausschüttung. Der Konzern strebt bis 2010 einen jährlichen durchschnittlichen Dividendenanstieg um 10 bis 20 Prozent an. 2006 zahlte E.ON 3,35 Euro je Aktie.

Mit dem Investitionsprogramm verfolgt E.ON nach Ansicht der Citigroup "sehr ehrgeizige" Ziele. Der Wert des Aktienrückkaufprogramms als auch das Volumen der Investitionen lägen deutlich über den Schätzungen. Wie die Schweizer Bank UBS bestätigten die Citibank-Analysten die "Buy"-Einstufung und das Kursziel von 130 Euro. Der Aktienkurs erklomm daraufhin bei 125,08 Euro ein neues Allzeithoch und notierte am Mittag 5,6 Prozent im Plus bei 123,87 Euro.

Wie E.ON am Abend nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilte, wurde der Vertrag mit Vorstandschef Bernotat für weitere drei Jahre (1. Mai 2008 bis 30. April 2010) verlängert.