Bilanz

E.ON: Entschlossen zur Endesa-Übernahme

Der Widerstand von Seiten der spanischen Regierung beeindruckt E.ON-Chef Wulf Bernotat momentan reichlich wenig, sieht er doch die besseren Argumente auf seiner Seite. Diese Einstellung bekräftigte er heute bei der Vorstellung der Unternehmensbilanz 2005. Auch für 2006 erwartet er ein gutes Ergebnis.

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Düsseldorf (ddp-nrw/sm) - Der Energiekonzern E.ON rechnet ungeachtet der politischen Widerstände in Spanien mit einem Gelingen der Übernahme des spanischen Versorgers Endesa. "Wir werden am Ende erfolgreich sein", zeigte sich E.ON-Vorstandschef Wulf Bernotat heute in Düsseldorf bei Vorlage der Bilanz überzeugt. Er gehe fest davon aus, dass über den Kauf der Markt und damit die Aktionäre beider Unternehmen und nicht die spanische Regierung entscheiden werde. Dabei erhofft er sich auch Unterstützung von Seiten der EU-Kommission.

E.ON will für Endesa 29 Milliarden Euro bezahlen und würde mit der Übernahme zum weltgrößten Anbieter von Strom und Gas werden. Bernotat betonte erneut die aus Sicht von E.ON wirtschaftlichen Vorteile für Spanien und dessen Energiemarkt. Er versicherte zugleich, dass Endesa als Ganzes erhalten und eine spanische Gesellschaft bleiben soll, die den spanischen und südamerikanischen Markt versorgt. Unter Zeitdruck sieht sich E.ON bei den Übernahmeplänen nicht: "Wir haben keine Eile", so Bernotat.

Für die Endesa-Übernahme und andere Geschäfte sieht sich E.ON nach einem Rekord-Geschäftsjahr 2005 bestens gerüstet. "Damit verfügen wir über einen beträchtlichen Finanzierungsspielraum", sagte Finanzchef Erhard Schipporeit. Hinzu komme ein Kreditrahmen über 32 Milliarden Euro, den ein Konsortium aus vier Großbanken, darunter die Deutsche Bank, E.ON für die Endesa-Übernahme gewähre.

Durch Buchgewinne im Zuge der Verkäufe der Beteiligungen am Immobilienunternehmen Viterra und an Ruhrgas Industries sowie durch die Verteuerung von Energie fuhr E.ON einen gegenüber 2004 um 71 Prozent auf 7,4 Milliarden gestiegenen Überschuss ein. Der Umsatz legte um 21 Prozent auf 56,4 Milliarden Euro zu. Zum Jahresende will der Konzern nettoschuldenfrei sein. Den außergewöhnlich hohen Gewinn werde E.ON 2006 aber nicht wieder erreichen, so Schipporeit.

Neben dem Endesa-Kauf stehen bei E.ON derzeit vor allem Investitionen in Kraftwerke sowie der Ausbau der Strom- und Gasnetze auf der Ausgabenliste. Dafür sollen in den nächsten drei Jahren über 16 Milliarden Euro fließen. Auf seiner Agenda hat E.ON auch den Bau des ersten deutschen Terminals für Flüssig-Erdgas in Wilhelmshaven. Hinzu kommt der Bau der neuen Ostsee-Erdgasleitung, die russisches Erdgas nach Deutschland bringen soll.

Mit Blick auf die Energiepreise gab der E.ON-Vorstand den Verbrauchern zumindest für Strom Entwarnung. Nach Preisanhebungen von vier Prozent zum Jahresanfang sei im weiteren Verlauf 2006 nicht mehr mit Erhöhungen zu rechnen. Anders sieht es bei den Gaspreisen aus, die im Januar bereits um elf Prozent angehoben wurden. Hier sei das "Ende der Fahnenstange" noch nicht erreicht.

Freuen über den E.ON-Geschäftserfolg dürfen sich nicht zuletzt die Aktionäre. Sie sollen für 2005 eine Rekord-Dividende von 7 Euro je Aktie kassieren. Die Ausschüttung beinhaltet eine Sonderdividende von 4,25 Euro, mit der E.ON seine Einnahmen aus dem Verkauf seiner Degussa-Beteiligung an den Essener Technologiekonzern RAG an die Anteilseigner weitergibt.

Von Frank Bretschneider