Stellungnahme

E.ON: Details zum europaweiten Stromausfall

Der europaweite Stromausfall am Abend des 4. November ist nach Angaben des Düsseldorfer Energiekonzerns E.ON durch menschliches Versagen ausgelöst worden. Zu dieser Einschätzung kommt das Unternehmen in seinem am Mittwoch in Bonn vorgestellten Bericht an die Bundesnetzagentur.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn (ddp/sm) - Nach Darstellung von E.ON gingen Mitarbeiter einer Netzleitstelle fälschlicherweise davon aus, dass nach der Abschaltung einer Stromleitung über die Ems bei Papenburg eine Überlastung des Netzes auch beim Ausfall einer weiteren Leitung ausgeschlossen ist. Die Techniker sprechen hier von Ausfallsicherheit. Die Leitung über die Ems war am Abend des 4. November aus Sicherheitsgründen abgeschaltet worden, um dem auf der Papenburger Meyer-Werft gebauten Kreuzfahrtschiff "Norwegian Pearl" eine sichere Durchfahrt zu gewähren.

Nach der Abschaltung traten dann aber in den aufgeschalteten Ausweichleitungen höhere Stromflüsse auf als in der von den Technikern vorab durchgeführten Simulation erwartet, wie es weiter hieß. Der Ausfall einer zweiten Leitung habe dann in einer Art Dominoeffekt weitere Leitungen überlastet, so deren Abschaltung ausgelöst und damit die europaweiten Stromausfälle verursacht.

Rund zehn Millionen Menschen in Kontinentaleuropa waren daraufhin zum Teil über eine Stunde ohne Strom. Politiker warfen den großen Energiekonzernen daraufhin vor, nicht genügend in die Wartung und den Ausbau ihrer Netze zu investieren.

Nach Angaben des für die E.ON-Netze zuständigen Vorstandsmitglieds Klaus-Dieter Maubach haben die Mitarbeiter in der Netzleitstelle die Ausfallsicherheit des Stromnetzes offenbar aus Zeitdruck nicht überprüft. "Die Mitarbeiter gingen davon aus, dass Netz sei sicher, was es aber nicht war", erläuterte er. Als Folge sei eine hochbelastete Leitung irrtümlich noch stärker belastet worden, habe sich schließlich abgeschaltet und damit den Dominoeffekt ausgelöst.

Die Prüfung der Ausfallsicherheit erfolgt Maubach zufolge nicht automatisch, sondern kann nur von den Mitarbeitern manuell vorgenommen werden. Insofern sei eine "Fehleinschätzung" der Lage durch den "Faktor Mensch" maßgeblich für den Vorfall gewesen. Dagegen hätten die Schutzsysteme der Netze funktioniert und einen völligen Blackout verhindert. Was die Überlastungen in der zweiten Leitung konkret verursacht habe, sei noch nicht klar. Die Klärung dieses Problems sei aber Voraussetzung für Verbesserungen.

Konkrete Schadenersatzforderungen wegen des Stromausfalls gingen bei E.ON bisher nicht ein. Bei einem "berechtigten Anspruch" will das Unternehmen nach eigenen Angaben Ausgleich leisten. E.ON bedauere den Stromausfall "außerordentlich", sehe aber durch die "schnelle Aufklärung" keinen Imageschaden, merkte Maubach an.