Debatte hält an

E.ON-Chef bestreitet Kungelei mit Regierung

Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns E.ON, Johannes Teyssen, hat Vorwürfe der Kungelei beim Abschluss des Energiepakts mit der Bundesregierung zurückgewiesen. Unterdessen beharrt das Öko-Institut auf seinen unter anderem von Teyssen kritisierten Berechnungen zu den Gewinnen, die die längeren Laufzeiten E.ON & Co. einbringen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt (Main) / Berlin (dapd/afp/red) - "Von Kungelei kann überhaupt keine Rede sein", sagte Teyssen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Alles ist öffentlich."

Die Opposition hatte zuvor scharfe Kritik an einer zunächst unveröffentlichten Vereinbarung geübt, in der sich die Atomkonzerne gegenüber der Bundesregierung mit weitreichenden Schutzklauseln abgesichert haben. So sollen hohe Nachrüstkosten für die Atomkraftwerke auf die geplante Öko-Energie-Abgabe angerechnet werden.

Teyssen betonte, es werde "unter keinen Umständen" Abstriche bei der Sicherheit geben. "Unabhängig davon darf man Kühe, die weiter Milch geben sollen, nicht schlachten", sagte er. Die Grenzen der Belastbarkeit der Industrie seien mit dem Kernernergie-Kompromiss erreicht, sagte der E.ON-Chef.

Der Staat werde in jedem Fall mehr als die Hälfte, zusammen mit der Kernbrennstoffsteuer sogar eher zwei Drittel der zusätzlichen Gewinne aus der Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke kassieren. Sollte der Strom teurer werden, verlange der Staat nochmals einen Nachschlag.

Das Berliner Öko-Institut beharrt indes darauf, dass längere Laufzeiten den Betreibern Zusatzgewinne zwischen 54 und 94 Milliarden Euro einbringen könnten. In einer am Montag in Berlin veröffentlichten Erklärung wies das Institut Vorwürfe unter anderem von Eon-Chef Johannes Teyssen zurück, wonach diese Gewinnprognose unglaubwürdig sei. Zugleich legte das Öko-Institut eine aktualisierte Analyse vor, die weitere Details der Regierungspläne einbezieht.

Teyssen hatte dem Institut vorgeworfen, die Kosten für die Erzeugung von Atomstrom zu niedrig anzusetzen. Der Forschungskoordinator Energie und Klimapolitik des Öko-Instituts, Felix Matthes, verwies dazu auf die Preise an der Strombörse in den Jahren 2000 bis 2004: "Wenn die Erzeugungskosten so hoch wären wie von Eon jetzt behauptet, hätten in diesen Jahren alle deutschen Kernkraftwerke wegen Unwirtschaftlichkeit stillgelegt werden müssen."

Die Bundesregierung hatte vergangene Woche ersten Berechnungen des Öko-Instituts widersprochen. Das Institut hatte am Montag unter Berufung auf eigene Berechnungen gemeldet, dass bei angenommenen moderat ansteigenden Strompreisen die Gewinne der Atomkraftbetreiber durch die Laufzeitverlängerung sich auf etwa 94 Milliarden Euro belaufen könnten. Die Regierung rechnet dagegen mit rund 50 Milliarden Euro Zusatzgewinnen für die Akw-Betreiber.