Kritik an Politik

E.ON-Chef Bernotat stellt Energiegipfel infrage

E.ON-Chef Bernotat hält die Energiegipfel zwischen Bundesregierung und der Strombranche in derzeitiger Form für sinnlos. "Warum sollen wir uns von Runde zu Runde ohne konkretes Ergebnis hangeln, wenn in der Zwischenzeit durch die Politik einseitig Fakten geschaffen werden", sagte er der "Welt am Sonntag".

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Nach Ansicht des Vorstandschefs des Energiekonzerns E.ON, Wulf Bernotat, gebe es bisher kein Gesamtkonzept, sondern nur viele Einzelmaßnahmen, die offenkundig alle nur auf eins hinausliefen - "die Energiewirtschaft zu belasten." Unabdingbare Voraussetzung für ein weiteres Treffen sei eine gemeinsame Datenbasis, die eine Verständigung über Ziele und Strategien erlauben würde. "Wenn es diese Datenbasis gibt, könnte auf dieser Grundlage der nächste Gipfel Anfang Juli stattfinden", sagte Bernotat.

Bislang haben zwei Gipfel unter der Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stattgefunden. Doch dabei sei keine Agenda erstellt oder gar abgearbeitet worden, sagte der E.ON-Chef. "Dieser Prozess läuft nicht rund", kritisierte er.

Der Vorstandschef des größten deutschen Energiekonzerns bemängelte außerdem das Klimaziel der Bundesregierung, die Kohlendioxid-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren. Wie in der Planwirtschaft stelle man jetzt fest, dass das Planziel nicht geschafft sei und der nächste Plan deshalb nun übererfüllt werden müsse. "So funktioniert das nicht. Kernenergie und Kohle lassen sich nun einmal nicht in den nächsten zwei Jahrzehnten durch CO2-freie Energieträger ersetzen. Dazu müssten wir halb Deutschland mit Windrädern zupflastern", sagte Bernotat.

Gleichzeitig warf der Konzernchef der großen Koalition fehlendes Einfühlungsvermögen für die Belange der großen Konzerne vor. "Man könnte den Eindruck haben, dass die Interessen der großen Konzerne gegenüber denen des Mittelstandes zurückgedrängt werden." In keinem anderen Land werde Unternehmen der Energiebranche das Leben so schwer gemacht wie in Deutschland.

Das Bundeskabinett hatte kürzlich schärfere Gesetze auf den Weg gebracht, um geringere Strompreise zu erreichen. Es hält die Energiepreise wegen der Marktmacht der vier großen Konzerne E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall für überhöht.