Zukunft der Stromnetze

E.ON-Chef Bernotat schlägt Gründung einer Netz AG vor

E.ONs Pläne zum Verkauf seines Stromnetzes heizen die Diskussion um die künftige Struktur des Energiemarktes in Deutschland an. Bernotat schlug die Gründung einer Art Netz AG vor, einige Politiker sprechen sich für eine Verstaatlichung aus, Banken denken über Betreibermodelle mit privaten Investoren nach.

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Hamburg (ddp/sm) - E.ON-Vorstandschef Wulf Bernotat will der Bundesregierung in den nächsten Wochen Vorschläge für die Zukunft der Stromnetze unterbreiten. Einer davon sei die Gründung einer Art Netz AG, an der sich verschiedene Investoren beteiligen könnten, sagte Bernotat dem Magazin "Der Spiegel". Bei diesem Modell bleibe "die für die Versorgungssicherheit äußerst wichtige Infrastruktur zumindest im Einflussbereich der Regierung", erläuterte Bernotat.

In Frankfurter Banken wird über Betreibermodelle mit privaten Investoren nachgedacht. "Denkbar wäre, dass Infrastrukturfonds einsteigen", sagte Josef Auer, Energieexperte bei Deutsche Bank Research, der "Frankfurter Rundschau". Stromnetze seien für Investoren interessant, da sie über sichere Einnahmen verfügten. Es seien Renditen zu erwarten, die ein oder zwei Prozentpunkte über denen von Staatsanleihen liegen. Zu den Interessenten zählt Auer Anleger, die auf Sicherheit setzen. Dazu könnten Pensionsfonds, Staatsfonds oder Rentenversicherungen zählen.

Dagegen hält E.ON-Chef Bernotat den Betrieb von Stromnetzen in Deutschland für wenig lukrativ. Es seien hohe Investitionen nötig, zugleich habe die Bundesnetzagentur die maximale Rendite für diese Investitionen auf bis zu 3,6 Prozent festgelegt. "Das ist lächerlich und würde bei Neuinvestitionen sofort zu hohen Wertberichtigungen in der Bilanz führen", erläuterte Bernotat.

Scheer für Verstaatlichung der Netze

SPD-Energieexperte Hermann Scheer sagte, nur mit einer Entflechtung von Stromerzeugung und Netz sei ein funktionierender Strommarkt denkbar. Die Netze sollten in die Hände von Bund und Ländern gelegt werden, da sie - ebenso wie Straßen und Schienen - unverzichtbarer Bestandteil der öffentlichen Infrastruktur und Daseinsvorsorge seien. Die öffentlichen Übernahmekosten sollten dann über die Netznutzungsgebühren refinanziert werden. Vorteil sei, dass eine solche Agentur im Gegensatz zu privaten Betreibern verpflichtet werden könne, die notwendigen Investitionen in das Netz vorzunehmen.

Oskar Lafontaine, Vorsitzender der Linksfraktion, forderte die Bundeskanzlerin auf, ihre "ablehnende Haltung gegen die Übernahme der Stromnetze in die öffentliche Hand" aufzugeben. Nachdem die Privatisierung der Netze zuf Folge gehabt habe, dass notwendige Investitionen vernachlässigt wurden, sei die Möglichkeit, die Netze wieder in öffentliche Verantwortung zu übernehmen, jetzt realisierbar.

Der Bund der Energieverbraucher sprach sich ebenfalls für eine Verstaatlichung der Netze aus. "Das macht Sinn, weil wir ja sehen, dass die privaten Netze nicht dazu führen, dass das Netz sicherer und zukunftsgerichtet ausgebaut wird", sagte der Vorsitzende Aribert Peters dem Bayerischen Rundfunk. Die Stromversorger hätten das in den vergangenen Jahren verweigert. Erst im Januar hatte die Bundesnetzagentur einen erheblichen Investitionsbedarf ausgemacht. Zudem kontrolliert die Bundesnetzagentur die Netzentgelte. Deswegen bleibt unter Experten fraglich, wer das Stromnetz kaufen will.

Verbände fordern Konzept von Regierung

Der Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv), Holger Krawinkel, kritisierte die Bundesregierung. "Es fehlt ein ordnungspolitisches Konzept", sagte er der "Frankfurter Rundschau" (Samstagausgabe). Berlin habe immer nur in Dimensionen nationaler Champions gedacht und deshalb gegen die von der EU geplante Entflechtung der Konzerne gekämpft. Für den jetzt von E.ON geplanten Verkauf der Hochspannungsnetze gebe es keine Pläne. Der vzbv-Vorstand Gerd Billen sagte dem Bremer "Kurier am Sonntag", die Regierung müsse "jetzt die richtigen Rahmenbedingungen" setzen. Dies bedeute "am Ende mehr Qualität, mehr Wettbewerb und stabile Preise".