Energieversorgung

E.ON-Chef beklagt unrealistische Vorstellungen der Bürger

E.ON-Chef Wulf Bernotat beklagt, dass in den Vorstellungen der Deutschen bei der Energieversorgung Wunsch und Wirklichkeit auseinanderklaffen. Die Annahme, dass bald ein Großteil des Stroms aus Sonnenenergie gewonnen werde, sei völlig realitätsfern. Zudem beklagt er das fehlende Verständnis für die Strompreise.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/red) - "Wenn man in Deutschland fragt: Was glauben Sie, aus welchen Quellen Strom in Deutschland in drei bis fünf Jahren erzeugt wird, dann sagt die Mehrheit der Befragten, dass zum Beispiel 70 Prozent aus Sonnenenergie und weit unter zehn Prozent aus Kohle kommt", sagte Bernotat der "Welt am Sonntag".

Die Realität sehe aber genau umgekehrt aus. Das erklärte Ziel bei E.ON sei, erneuerbare Energien deutlich auszubauen. "Aber es wird noch einige Zeit brauchen, bis wir in Deutschland und Europa überwiegend darauf setzen können", sagte Bernotat. Die Technologien dafür müssten noch weiterentwickelt werden.

Stromanbieter als "quasi-öffentliches" Unternehmen wahrgenommen

Generell habe ein Energiekonzern wie E.ON "das Problem, dass unsere Leistung erst bemerkt wird, wenn sie nicht erbracht wird - wenn nämlich der Strom ausfällt", sagte Bernotat. Der Konzernchef stört sich auch an der Wahrnehmung seines Unternehmens: "Wir sind ein ganz normales privates Unternehmen, wir sind an der Börse notiert, und 60 Prozent unserer Aktionäre sind im Ausland. Wahrgenommen werden wir aber häufig noch als ein großes Stadtwerk, als ein quasi-öffentliches Unternehmen, das nicht nur verlässlich, sondern auch ganz unabhängig von Markt- und Wettbewerbspreisen immer kostengünstig liefern muss."