Reaktion

E.ON-Angebot reicht Endesa nicht (Upd.)

Ganz so problemlos wie gedacht, verläuft E.ONs Aufstieg zu einem der weltweit größten Energieversorger offensichtlich nicht: Während Endesa die Offerte in Höhe von 29,1 Milliarden Euro als zu niedrig bewertet, sieht auch die spanische Regierung ihren Plan von einen nationalen Energieriesen gefährdet.

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Düsseldorf/Berlin/Madrid (ddp/sm) - Der größte deutsche Energiekonzern E.ON muss sich bei der geplanten Übernahme des spanischen Versorgers Endesa offenbar auf einen Bieterkampf einstellen. Dem Madrider Unternehmen reicht das E.ON-Barangebot von 29,1 Milliarden Euro nicht aus. Die spanische Regierung erklärte am Mittwoch, sie werde sich nicht einmischen, aber die Interessen Spaniens wahren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach Angaben eines Regierungssprechers am Wochenbeginn mit dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero über die Übernahmepläne gesprochen, wolle die Übernahmepläne aber in der Öffentlichkeit nicht kommentieren.

Der Endesa-Aufsichtsrat bezeichnete das Angebot zwar als besser als das des Gaskonzerns Gas Natural aus Barcelona, es sei aber dennoch unzureichend. In einer ersten Beurteilung der E.ON-Offerte hieß es vom Endesa-Board, das "Angebot wird dem wahren Wert von Endesa nicht gerecht". Gas Natural hatte im September eine Offerte für den Wettbewerber über rund 22 Milliarden Euro in bar und Aktien unterbreitet. Diese war von Endesa ebenfalls als unzureichend abgelehnt worden.

E.ON erklärte am Mittwoch dazu, man halte sein Übernahmeangebot auch nach der ablehnenden Reaktion unverändert aufrecht. Ein E.ON-Sprecher sagte, der Konzern gehe weiter davon aus, dass sein Angebot eine "attraktive Offerte" sei. "Das Angebot ist nicht gegen die spanische Regierung gerichtet", betonte der Sprecher. Der Vorstandsvorsitzende von E.ON, Wulf Bernotat, hatte am Dienstag ein Gespräch mit Zapatero über seine Endesa-Pläne geführt. Am Mittwoch sagte Zapatero nach einer Anhörung im Senat, die Regierung werde die Marktgesetze respektieren und wolle deshalb nicht von ihrem Vetorecht bei dem spanischen Versorger Gebrauch machen. Allerdings werde man die nationalen spanischen Interessen schützen, sagte Zapatero weiter. Er verstehe, dass Deutschland einen starken globalen Energiekonzern haben wolle. Das gleiche Interesse gelte aber auch für Spanien.

Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg verwies darauf, dass Bundeskanzlerin Merkel im Gespräch mit Zapatero keine Bewertung vorgenommen habe. Die Pläne von E.ON seien allein "unternehmerische Entscheidungen", und es sei nicht Sache der Bundesregierung, diese Entscheidungen oder die spanische Reaktion zu bewerten. "Wir werden weder die spanische Position kommentieren noch die Pläne von E.ON kommentieren", fügte Steg hinzu. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte die Übernahmepläne am Dienstag als positiv für den Standort Deutschland begrüßt.

Derweil warnt der Bundesverband der Energie-Abnehmer (VEA) vor einer fortschreitenden Machtkonzentration auf dem Energiemarkt zu Lasten der Kunden. VEA-Vorstand Manfred Panitz sagte in Hannover, die enorme Marktmacht des E.ON-Konzerns werde eine weitere Öffnung der Märkte eher behindern als fördern. Es sei kaum zu erwarten, dass E.ON seine größere Einkaufsmacht in Preissenkungen für die Verbraucher ummünzt. Auch die Vorsitzende des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Edda Müller, attackierte den Versorger: "Die unanständig hohen Gewinne von E.ON bestätigen doch die Vermutung, dass dies auf Kosten der Verbraucher eingestrichen wird", sagte sie der "Bild"-Zeitung (Donnerstagausgabe). Sie bezeichnete die geplante Übernahme des spanischen Energieversorgers Endesa durch E.ON als "gefährlich". Dadurch steige die Marktmacht des Konzerns noch weiter. "Das ist schlecht für den Wettbewerb und die Preise."

Auch der Vorstandsvorsitzende der Norddeutschen Affinerie, Werner Marnette, kritisierte unterdessen die geplante Übernahme. Für die deutsche Industrie habe das Vorhaben "fatale Folgen", so Marnette in der ZEIT. "Durch überhöhte Strom- und Gaspreise hat E.ON seine Kriegskasse randvoll gefüllt", sagt der Manager. Jetzt sei es offenbar an der Zeit, "die von den deutschen Strom- und Gasverbrauchern eingesammelten Milliarden gewinnbringend anzulegen". Die Übernahme des spanischen Konzerns ließe mehr Wettbewerb auf dem europäischen Energiemarkt "in weite Ferne rücken".

Würde der Zusammschluss wie geplant vollzogen, käme die neue Energiegruppe auf über 50 Millionen Kunden in mehr als 30 Ländern in Europa, Nord- und Südamerika und würde jährlich über 600 Terawattstunden Strom und über 900 Terawattstunden Gas verkaufen. Der Unternehmenswert des fusionierten Konzerns würde nach E.ON-Berechnungen auf über 130 Milliarden steigen - und damit auch die bisherige Nummer Eins der Branche, die Energie de France (EdF), abhängen.