Gigantischer Markt

Durchleuchtet: Häuser in Sachsen nur wenig energieeffizient

Eine Umstellung auf Sonnenergie wird für immer mehr Bauherren zum Thema, berichten Energieberater. Der Bedarf scheint groß: Mehr als die Hälfte der Häuser in Sachsen weist offenbar eine weit unterdurchschnittliche Energieeffizienz aus.

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Leipzig (ddp/sm) - Antragsfristen, Fördermöglichkeiten, Zuständigkeiten - das Heizen mit Sonnenenergie wird einem nicht einfach gemacht. "Man muss sich sehr viel durchfragen und darf auch nicht locker lassen", berichtet Dagmar Walzer aus Leipzig-Mockau. Die Familie will ihr neu erworbenes Reihenhaus aus dem Jahr 1937 mit einer Solaranlage auf dem Dach ausstatten, um Energie zu sparen. "Aber es wird einem nicht einfach gemacht."

Komplettangebote von Firmen oder durchdachte Finanzierungen von Banken gebe es kaum, auch die Förderung durch den Freistaat sei nicht befriedigend. "Da sind die alten Bundesländer teilweise viel weiter", hat Familie Walzer erfahren müssen. Von ihrem Entschluss hält das Ehepaar dennoch nichts mehr ab.

Damit ist das Paar in großer Gesellschaft. "Das Thema wird immer wichtiger bei Bauherren", sagt Ralf Bischoff, der als Energieberater der Handwerkskammer zu Leipzig einen Energiesparstand auf der "mitteldeutschen handwerksmesse" in Leipzig betreut. Gerade das Thema Warmwasserbereitung durch Solaranlagen interessiere immer mehr Familien. Denn die Warmwasserbereitung mache bei einem Einfamilienhaus immerhin zehn Prozent der Energiekosten aus.

Relativ einfach lasse sich auch sparen, indem die Kellerdecke gedämmt werde, empfiehlt Bischoff. "Das kann man mit entsprechenden Dämmplatten vom Baumarkt fast selbst machen", sagt er. Das Einsparergebnis sei allerdings auch relativ gering: gerade einmal fünf Prozent bringe das.

Den größten Erfolg könnten Hausbesitzer mit einer Fassadendämmung erreichen. Das sei die größte Schwachstelle, eine Sanierung bringe "bis zu 30 Prozent", sagt Bischoffs Kollege Torsten Stucke. Sie sei aber im Vergleich wesentlich teurer und lohne sich nur, wenn sowieso eine Sanierung anstehe.

Die beiden Experten sehen beim Thema Energieeinsparung in den kommenden Jahren einen gigantischen Markt. Mehr als die Hälfte der Häuser in Sachsen weise eine weit unterdurchschnittliche Energieeffizienz aus. Dadurch würden enorme Heizkosten einfach zum Fenster hinaus geblasen. Zahlen des Bundesverbandes Solarwirtschaft untermauern den Trend zum energiebewussten Bauen und Sanieren: Von den rund 8,1 Millionen Quadratmetern Solarthermie-Fläche für die Warmwasserbereitung seien allein 1,4 Millionen im vergangenen Jahr installiert worden. Der Umsatz der Branche haben sich seit 1998 von 200 Millionen auf 1,1 Milliarden Euro mehr als verfünffacht.

Die Handwerkskammern empfehlen, das eigene Haus von qualifizierten Energieberatern auf Schwachstellen durchleuchten zu lassen. Bei Dagmar und André Walzer war das nicht notwendig: Ein Blick auf die Energiekostenabrechnung der vergangenen Jahre hatte ihnen gereicht. Und da sie ihr Heim so oder so sanieren mussten, haben sie die neue Heizung gleich auf eine Solaranlage ausrichten lassen.