Diskussion

DUH: Stromlücke entspringt "strategischem Kalkül" der Konzerne

Die derzeit diskutierte womöglich in Deutschland drohende Stromlücke entspringt laut Deutscher Umwelthilfe einem "strategischen Kalkül" der vier großen Energiekonzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Ziel der Unternehmen sei es, trotz der Diskussion über den Klimawandel in Deutschland neue Kohlekraftwerke in großer Zahl ans Netz zu bringen und den einst vereinbarten Atomausstieg rückgängig zu machen. Das erklärte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) auf Basis eigener Berechnungen und der Bewertung einer Kurzanalyse der Deutschen Energie-Agentur (dena), die die Diskussion über eine Stromverknappung in Deutschland angeheizt hatte.

"Die in der dena-Kurzanalyse zugrunde gelegten Ausgangsdaten und Grundannahmen dienten ohne Ausnahme dem offensichtlich vorgegebenen Ergebnis, eine möglichst große Stromunterversorgung für Deutschland zu prognostizieren", so die Sicht von DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake. So seien etwa die Laufzeiten für bestehende fossile Kraftwerke zu niedrig angesetzt. Baake warnte die Bundesregierung davor, die Diskussion über Versorgungssicherheit zu Lasten der Klimaschutzpolitik zu führen.

Ernsthafte Probleme sieht die DUH hingegen bei der Integration eines wachsenden Anteils erneuerbarer Energien in die Stromnetze. Die Energiekonzerne, deren Vorgängerunternehmen den Ausbau der erneuerbaren Energien über mehr als ein Jahrzehnt vor den Gerichten bekämpft hätten, seien mitverantwortlich dafür, dass der Netzumbau mit der Entwicklungsdynamik nicht Schritt gehalten habe.

Hinzu kämen heute unbestreitbare Widerstände vor Ort, auch von Umweltschützern. Der Versuch der Bundesregierung, die "Verzögerungsmacht" dieser regionalen Widerstände über einen verkürzten Rechtsweg zu begrenzen, wird nach Einschätzung der DUH nicht zum Ziel führen. Vielmehr müsse bundesweit, aber noch dringlicher vor Ort versucht werden, einen gesellschaftlichen Dialog über die Notwendigkeit des Netzumbaus in Gang zu setzen. Oberstes Ziel dabei müsse sein, die ökologischen Lasten zu minimieren.