Schwere Vorwürfe

DUH: Gravierende Sicherheitsmängel im AKW Brunsbüttel

Nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hat der Siedewasserreaktor Brunsbüttel das gegen Betriebsstörungen anfälligste Sicherheitsleitsystem aller deutschen Atomkraftwerke. Damit sei die Anlage auf Störfälle schlechter vorbereitet als der schwedische Reaktor in Forsmark.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Die DUH bezieht sich dabei auf interne Unterlagen der Reaktorsicherheitskommission der Bundesregierung, der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) in Köln, von Technikern des Kraftwerks und der schleswig-holsteinischen Aufsichtsbehörde. Danach hätten die deutschen Aufsichtsbehören die Brunsbrüttel-Betreiber Vattenfall und Eon seit 2002 vergeblich zu einer grundlegenden Modernisierung der Notstromversorgung des Reaktors gedrängt. Auslöser seien gravierende Mängel in der Sicherheitsleittechnik des Reaktors gewesen, die erst im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme eines neuen Simulators zur Schulung der Betriebsmannschaften erkannt wurden und die zuvor über Jahrzehnte niemand bemerkt hatte.

"Die Behauptung der Betreiber, ein Störfall wie in Schweden sei in deutschen Reaktoren nicht möglich, ist definitiv falsch", sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. "Möglicherweise würde er im Detail anders ablaufen als in Forsmark, aber auf kritische Störfall-Situationen ist der Brunsbüttel-Reaktor erkennbar schlechter vorbereitet als der in Forsmark".

Die GRS stellt nach DUH-Angaben in einer unveröffentlichten Analyse fest, dass "die in Brunsbüttel gefundenen Fehler sowohl bei Störfällen innerhalb der Auslegung als auch bei auslegungsüberschreitenden Ereignissen und bei weiteren zusätzlich zu unterstellenden Fehlern teilweise zu hohen Unverfügbarkeiten im Sicherheitssystem hätten führen können und so die Beherrschung der Ereignisse gefährdet hätten."

Nachdem sich das für die Atomaufsicht zuständige Kieler Sozialministerium, mehrere Gutachterorganisationen (TÜV Nord, Energiesysteme Nord in Kiel, GRS) und die Reaktorsicherheitskommission (RSK) der Bundesregierung in den Jahren 2002/2003 über Monate in zahlreichen Sitzungen mit den aufgedeckten Defiziten in der Sicherheitselektrik des Siedewasserreaktors befasst hatten, durfte der Meiler nach kleineren Änderungen wieder ans Netz, obwohl der RSK-Fachausschuss 'Elektrische Einrichtungen' der Anlage "Defizite im Anlagenkonzept hinsichtlich des Aufbaus der Notstromversorgung" bescheinigte, so der DUH.

Gerd Rosenkranz, Leiter Politik der DUH, erläuterte, dass über die Übertragbarkeit der Abläufe in Forsmark und Brunsbüttel im Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung auch intern noch kein endgültiges Urteil vorliege. Zwar hätten die Gutachter der Kieler Aufsichtsbehörde in der vergangenen Woche gegenüber Bundesumweltminister Gabriel für die Kraftwerke Brokdorf und Krümmel Entwarnung gegeben, nicht aber für Brunsbüttel. Dazu habe bis Dienstag dieser Woche eine Stellungnahme des TÜV Nord noch ausgestanden. Die Betreiber selbst hätten bezüglich eines offenen Punktes ("Auswirkungen zeitgleicher Ausfälle von redundanten Wechselrichtern oder Umschaltvorgängen auf das unterbrechungsbehaftete Netz") erklärt, die Beantwortung sei "wegen der Kürze der Bearbeitungszeit noch nicht möglich." Rosenkranz: "Das ist eine erstaunliche Einlassung, nachdem nach bisheriger offizieller Lesart Wechselrichter für die Sicherheit in deutschen Atomkraftwerken gar keine Rolle spielen."

Resch forderte die Reaktorbetreiber Vattenfall und E.on auf, "die Diskussion über eine Laufzeitverlängerung für Brunsbüttel und andere Altreaktoren in Deutschland sofort einzustellen." Bei normaler Auslastung muss der Brunsbüttel-Reaktor entsprechend der Atomausstiegsvereinbarung im Jahr 2009 abgeschaltet werden.

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