Effizienz

DUH fordert konkrete Maßnahmen zur Energieintelligenz

Prognos-Szenarien über die Energiezukunft bis 2020 signalisieren vor allem, dass Energie in Deutschland dringend und sofort effizienter bereitgestellt und genutzt werden muss als bisher, meint die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) und macht konkrete Vorschläge zu gesetzlichen Regelungen.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Die beiden Bundesgeschäftsführer der DUH, Rainer Baake und Jürgen Resch werfen der Großen Koalition vor, "in der Klimaschutzdebatte permanent ambitionierte Zielvorstellungen zu verbreiten, ohne zu erklären, auf welchem Weg sie erreicht werden können." So sei es auch beim Versprechen, die so genannte Energieproduktivität in Deutschland bis 2020 gegenüber 1990 zu verdoppeln. Energieintelligenz erfordere einen "grundsätzlichen Politikwechsel", statt unverbindlichen Absichtserklärungen seien "gesetzliche Regelungen zur Umsetzung der Klimaschutzziele" nötig, deren "Einhaltung auch überwacht wird", erklärte Resch. Dazu legen Baake und Resch konkrete Vorschläge vor.

So könne man bei der energetischen Gebäudesanierung das so enannte Mieter-Vermieter-Dilemma dadurch überwinden, dass ein Vermieter seinen Mietern in energetisch unsanierten Wohnungen nach einem Stichtag Heiz- und Warmwasserkosten nur noch in der Höhe eines gleichartigen sanierten Gebäudes in Rechnung stellen darf. So werde ein Anreiz gesetzt, die Sanierungsrate im Häuserbestand massiv zu erhöhen.

Weiter schlägt die DUH vor, die Kennzeichnung in Energieeffizienzklassen künftig für alle Energie verbrauchenden Geräte nach der für große Haushaltsgeräte eingeführten farbigen Effizienzklassen-Balkendarstellung verbindlich zu machen. Gleichzeitig sollen sich die Effizienzklassen in regelmäßigen Abständen am jeweils besten verfügbaren Produkt automatisch "kalibrieren". Zudem soll wie bei Kühlschränken bereits heute gültig ein automatisches Verkaufsverbot für Produkte erfolgen, die um mehr als drei Effizienzklassen abweichen. Darüber hinaus sollen Bundes- und Landesregierungen flächendeckend für die Überwachung der Energiekennzeichnung zuständige Behörden benennen statt es Umweltorganisationen wie der DUH zu überlassen, die Einhaltung von Gesetzen bei den Betroffenen einzufordern.

Der Kraft-Wärmekopplung (KWK) könne durch eine gesetzliche Anschlusspflicht zum Durchbruch verholfen werden. Hauseigentümer, deren Heizungs- und Warmwasseranlagen andernfalls aus Alters- oder anderen Gründen erneuert werden müssten, sollen stattdessen zum Anschluss an Wärmenetze verpflichtet werden, so die Umweltorganisation. Bei den übrigen Gebäuden greife die Anschlusspflicht nach Ablauf der Amortisationszeit der bestehenden Heizungs- und Warmwasseranlagen. Städte und Gemeinden sollen verpflichtet werden, solche Gebiete auszuweisen, die an Wärmenetze angeschlossen werden sollen.

Ausgangspunkt der DUH-Vorschläge für eine energieintelligente Wende in Deutschland war das im Rahmen des Klimagipfel-Prozesses von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Gutachten der Baseler Prognos AG und des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI). Die dort entwickelten drei Szenarien hatten als zentrales Ergebnis gezeigt, dass der Atomausstieg sehr wohl mit anspruchsvollen Klimazielen (40 Prozent CO2-Reduzierung bis 2020 gegenüber 1990) vereinbar ist. "Das setzt aber voraus, dass die Bundesregierung bei der Energieeffizienz endlich ihre Ankündigungen in Taten umsetzt", sagte Rainer Baake.