Gegen Laufzeitverlängerung

DUH beklagt "gravierende Sicherheitsmängel" in Brünsbüttel

In dem derzeit abgeschalteten Atomkraftwerk Brunsbüttel gibt es nach Angaben der Deutsche Umwelthilfe (DUH) neue Sicherheitsmängel im Notstromsystem. Die Umweltschützer berufen sich dabei auf einen Bericht aus dem für die Atomaufsicht zuständigen Kieler Sozialministerium.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Kiel (ddp-nrd/sm) - Das Sozialministerium hat nach Angaben der DUH die mangelnde Trennung der Notstromstränge des Atomreaktors als zentrales Problem benannt. In dem 25-seitigen Bericht, welcher der Umweltorganisation zugespielt worden sei, sei von einem außergewöhnlich "hohen Vermaschungsgrad" der Not- und Nachkühlsysteme die Rede.

Atomreaktoren benötigen solche Not- und Nachkühlsysteme um das Kraftwerk auch bei einem Ausfall der regulären Kühlung kontrolliert herunterfahren zu können. Der hohe "Vermaschungsgrad" in Brunsbüttel könne nur unter großem zeitlichen und finanziellen Aufwand behoben werden, zitiert der Umweltverband aus dem Ministeriumsbericht. Eine vorgeschlagene "Errichtung eines neuen Notstromgebäudes" würde etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen. Die "technische Anpassung des Anlagenzustands an die Anforderungen des derzeit gültigen Regelwerks" würde nach Schätzungen der Experten sogar vier Jahre dauern.

DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake kritisierte vor diesem Hintergrund die Forderung des Brunsbüttel-Betreibers Vattenfall, die Restlaufzeit für das AKW zu verlängern, als "unverantwortlich". Brunsbüttel sei das "größte Sicherheitsrisiko in Norddeutschland". Die Vattenfall-Klage auf eine Verlängerung der Restlaufzeit des mehr als 30 Jahr alte Siedewasserreaktor sei "unerträglich", betonte Baake. Im Atomausstiegsgesetz seien die Reaktoren, auf die Kilowattstunden aus Mülheim-Kärlich theoretisch übertragen werden können, in einer Fußnote ausdrücklich aufgeführt. Brunsbüttel gehört nicht dazu. Dieser Regelung hatten die Atomkraftwerksbetreiber seinerzeit in der Vereinbarung über den Atomkonsens zugestimmt, erinnert die Umwelthilfe.

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Schleswig muss heute über eine Klage von Vattenfall gegen einen Bescheid des Bundesumweltministeriums urteilen. In dem Bescheid hatte die Behörde die Übertragung einer Reststrommenge von 15 Terawattstunden aus dem Kontingent des rheinland-pfälzischen Reaktors in Mülheim-Kärlich auf den Pannenreaktor KKB abgelehnt. Dagegen hatte Vattenfall geklagt. Das Ministerium begründete seine ablehnende Haltung damit, dass man zur Übertragung der Strommenge auf das KKB nicht berechtigt sei.

Am 28. Juni 2007 hatte eine Netzstörung eine Schnellabschaltung des AKW Brunsbüttel ausgelöst. Nach Problemen musste der Meiler im Juli erneut abgeschaltet werden. Seither ist er nicht mehr am Netz.