Düsseldorf will offenkundig 80-prozentigen Anteil an Stadtwerken verkaufen

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Der Rat der Stadt Düsseldorf zieht offenkundig in Erwägung, den 80-prozentigen Anteil der Stadt an den Stadtwerken zu verkaufen. Hintergrund der Überlegung ist ein Gutachten, das am Montag in der Landeshauptstadt vorgestellt wurde. Das "Roland-Berger-Gutachten" lotet die Chancen der Stadtwerke im liberalisierten Energiemarkt aus und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: "Die Vollprivatisierung hat den größten Effekt".



Will heißen: Für die Stadt ist ein Komplettverkauf des 80-prozentigen Anteils - die übrigen 20 Prozent hält die RWE - am lohnendsten. Das Beratungsunternehmen Berger untersuchte fünf Szenarien: 1. Alleingang mit dem Beibehalten der jetzigen Situation, 2. Gründung der "Deutsche Stadtwerke AG" mit anschließendem Beteiligungsverkauf, 3. Teilprivatisierung durch den Verkauf der Sperrminorität (Verkauf von 29,9 Prozent, bei der Stadt verbleiben 50,1 Prozent der Gesamtanteile), 4. Teilprivatisierung durch Verkauf der einfachen Mehrheit (Verkauf von 54,9 Prozent, bei der Stadt verbleiben 25,1 Prozent der Gesamtanteile) und 5. Vollprivatisierung durch Verkauf der absoluten Mehrheit (Verkauf von 80 Prozent, bei der Stadt verbleiben keine Anteile).



Ein weiterer Alleingang der Stadtwerke, so das eindeutige Ergebnis des Gutachtens, führe "zu einem Einbruch des Unternehmensergebnisses".



Die Gründung der "Deutsche Stadtwerke AG" würde zwar konsolidierend wirken, letztendlich aber unbefriedigend ausfallen, so das Gutachten weiter. Zur Information: Die "Deutsche Stadtwerke AG" ist eine von der Stadtwerke Düsseldorf AG initiierte horizontale Partnerschaft zur Bündelung kommunaler Ressourcen auf den Gebieten Handel, Vertrieb und Marketing mit den Vertragspartnern Entega GmbH (HEAG, Stadtwerke Mainz AG) und Stadtwerke München. Durch die Kooperation, so das Berger-Gutachten, werde sich - im Vergleich zum Alleingang - die Ergebnisentwicklung zumindest mittelfristig bis zum Jahr 2004 stabilisieren. Die "Deutsche Stadtwerke AG" verschlechtere jedoch die Handlungsoptionen der Stadt Düsseldorf insoweit, als potenzielle Erwerber den Weg in die eingegangene Kooperation "Deutsche Stadtwerke AG" weitergehen müssten und eigene Handlungsüberlegungen damit eingeschränkt würden.



Bei der Teil- oder Vollprivatisierung - das sind die letzten drei in Erwägung gezogenen Szenarien - würden sich die Unterschiede im Wesentlichen auf die finanziellen Auswirkungen für die Landeshauptstadt Düsseldorf bemerkbar machen. Eine 100-prozentige Liberalisierung lohne sich freilich für die Stadt am ehesten.



Ein Verkauf bringe der Stadt einen Netto-Erlöns von rund 1,5 Milliarden Mark, sagte Stadtkämmerer Helmut Rattenhuber während des Pressegesprächs. Bis dato führen die Stadtwerke jährlich 40 Millionen Mark Gewinn an die Stadt ab, wobei das Berger-Gutachten dem kommunalen Energieversorger sinkende Absätze prognostiziert. Die Stadt könne mit dem Verkauf jährlich 88 Millionen Mark an Steuern sparen, so Oberbürgermeister Joachim Erwin, der den Erhalt von Arbeitsplätzen und den Erzeugungsstandort bei einem Verkauf vertraglich festschreiben will. Andererseits wollten die Stadtwerke die Zahl ihrer Beschäftigten ohnehin runterfahren - von derzeit 3200 auf rund 2500 Mitarbeiter im Jahr 2004.



Das Gutachten wird jetzt in den Fraktionen beraten. Die FDP-Fraktion hat bereits Zustimmung angekündigt, und die CDU wird ihrem OB sicherlich folgen - derart ist ein Verkauf im kommenden Jahr wahrscheinlich. Erster Interessent dürfte die RWE als bisheriger zweiter Anteilseigner sein.