Störung

Druckabfall im AKW Philippsburg - Kraftwerk vom Netz genommen

Wegen eines Druckabfalls im sicherheitsrelevanten Bereich ist Block I des Atomkraftwerks Philippsburg vorsorglich vom Netz genommen worden. Die EnBW ordnete die Panne als "Störung" ein, womit sie eine Stufe oberhalb des Vorfalls im slowenischen Atomkraftwerk Krsko liegt.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Philippsburg/Neckarwestheim (ddp/sm) - Wie EnBW am Freitag mitteilte, wurde beim Wiederanfahrender Anlage nach der jährlichen Revision der sogenannte Sicherheitsbehälter routinemäßig mit Stickstoff gefüllt. Danach sei ein "geringer Druckabfall" festgestellt worden, was bedeute, dass Stickstoff entwichen sei.

Um die Ursache zu klären und das Problem zu lösen, werde der Meiler "vorsorglich" abgefahren, erklärten die Betreiber. Den Angaben zufolge handelt es sich bei dem Sicherheitsbehälter um eine von mehreren Sicherheitsbarrieren, um radioaktive Stoffe sicher einzuschließen. Er umfasse unter anderem den Reaktordruckbehälter, die Zwangsumwälzpumpe und Rohrleitungssysteme. Der Sicherheitsbehälter, der aus Brandschutzgründen mit Stickstoff gefüllt werde, sei von einer Metallhülle komplett umschlossen.

Das Ereignis habe "keine Auswirkungen auf Personen, die Anlage oder die Umgebung" gehabt, hieß es von Seiten des Unternehmens. Auch die Atomaufsichtsbehörde schätzte dies so ein. In einer Erklärung des baden-württembergischen Umweltministeriums hieß es, "nach den bisherigen Überprüfungen gebe es keinen Hinweis auf einen Austritt von Radioaktivität in die Umgebung". Dennoch stufte die EnBW AG den Vorfall vorläufig als "Eilmeldung" ein und ordnete ihn auf der internationalen INES-Skala auf der Stufe 1 (Störung) ein. Das Ministerium kam zum selben Ergebnis.

Einem Ministeriumssprecher zufolge habe es zuletzt vor einem Jahr in Philippsburg einen vergleichbaren Zwischenfall gegeben, der als Eilmeldung eingestuft worden sei. Damals entwich ebenfalls aus dem Sicherheitsbehälter im Block I Stickstoffgas. Das Gas soll nicht radioaktiv gewesen sein. Es war über die Personenschleuse aus fehlerhaft verschlossenen Ventilen in die Zwischenhülle unterhalb des Stahlmantels des Sicherheitsbehälters gelangt.

Eine "Störung" ist auf der insgesamt siebenstufigen INES-Skala zur Bewertung von Zwischenfällen in Atomkraftwerken die erste Stufe oberhalb von Ereignissen, die lediglich von keiner oder nur geringer sicherheitstechnischer Bedeutung sind. Die Stufe 1 bedeutet dem Umweltministerium zufolge, dass es Abweichungen von den zulässigen Bereichen für den sicheren Betrieb einer Anlage gibt.

Unterdessen ging im württembergischen Kernkraftwerk Neckarwestheim nach Problemen im Dichtungssystem Block I am Freitag wieder ans Netz. Dort war nach EnBW-Angaben innerhalb des Reaktordruckbehälters eine "geringfügige Undichtigkeit" an der inneren Deckeldichtung festgestellt worden. Die Anlage war deshalb am 21. Mai heruntergefahren worden und stand mehr als zwei Wochen lang still. Bei den Instandhaltungsarbeiten wurde schließlich an einer "Kleinleitung" eine undichte Stelle entdeckt. Das Ereignis war von den Betreibern als "Normalmeldung" der Stufe 0 gemeldet worden.