Klimawandel

Dritter Teil des Klimaberichtes fordert zum Handeln auf

Die ersten beiden Teile des IPCC-Klimaberichtes zeigten die Folgen des Klimawandels, der heute in Bangkok vorgestellte dritte Teil des Berichts aber zeigt, dass sich das schlimmste noch verhindern lässt, und zwar mit dem konsequenten Einsatz erneuerbarer Energien und einer massiven Energieeffizienzsteigerung.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Bangkok/Berlin (red) Um den Klimawandel in einem beherrschbaren Rahmen zu halten, müssen die CO2-Emissionen bis 2050 im Vergleich zum Jahr 1990 weltweit halbiert werden. Dazu müssen die erneuerbaren Energien erheblich ausgebaut und die Energieeffizienz massiv gesteigert werden. Die dazu erforderlichen Technologien stehen bereit, müssen aber konsequenter als bislang eingesetzt werden. Dies sind wesentliche Ergebnisse des neuen Berichts des Internationalen Wissenschaftsrats zum Klimawandel (IPCC), der heute in Bangkok verabschiedet wurde.

Ein anspruchsvoller Klimaschutz sei wirtschaftlich tragbar. Das jährlich weltweite Wirtschaftswachstum verringere sich dadurch um lediglich 0,1 Prozent. Und der Klimaschutz beeinträchtige nicht die Wirtschaft, stellte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm klar. Die Kosten für einen frühzeitigen Klimaschutz fallen deutlich geringer aus als die durch einen ungebremsten Klimawandel verursachten Schäden.

Gabriel: Keine Zeit zu verlieren

"Der Bericht zeigt: Die Klimakatastrophe ist nicht unabwendbar. Wir können sie verhindern", so Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. "Der IPCC-Bericht zeigt aber auch: Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir müssen jetzt entschlossen handeln, um schwerwiegende und nicht mehr kontrollierbare Klimafolgen zu vermeiden." Dazu müssten erneuerbare Energien weltweit ausgebaut und die Energieeffizienz in allen Bereichen massiv gesteigert werden. Die erforderlichen Technologien stehen längst bereit, die Politik müsse nun ökonomische Anreize zum Klimaschutz geben. "Jetzt kommt es darauf an, dass wir bei der Klimakonferenz im Dezember auf Bali auch international die Weichen richtig stellen", so Gabriel weiter. "Die Wissenschaft hat ihre Arbeit getan, jetzt muss die Politik handeln."

NABU: Neue Anreize für Emissionshandel setzen

Angesichts des Berichtes fordert der NABU, die Anreize für den Emissionshandel so zu setzen, dass sich mittelfristig der Anteil der Kohle im deutschen und weltweiten Energiemix verringert. "Nur wenn die Kapazitäten bei fossilen und atomaren Großkraftwerken wirksam begrenzt werden, können die im Bericht dargelegten Potenziale für eine effizientere Erzeugung und Nutzung von Energie sowie für den Ausbau der Erneuerbaren Energien auch tatsächlich erschlossen werden", so NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

BWE: Deutschland muss Windenergie weiterentwickeln

"Angesichts des abermals deutlich beschriebenen Handlungsdrucks" müsse Deutschland seine führende Stellung in der "Windenergie-Technologie fortentwickeln", so der Präsident des Bundesverbands WindEnergie (BWE), Hermann Albers. Mit über 75.000 Megawatt installierter Windkraftleistung weltweit werde die Windenergie dieses Jahr einen Anteil von einem Prozent an der globalen Stromversorgung überschreiten, mit kontinuierlichem Wachsum der Anteil im Jahr 2020 bei 15 Prozent liegen. Dazu sei neben dem konsequenten Ausbau an Land die kontinuierliche Entwicklung der Windenergie-Nutzung auf See (Offshore) notwendig, so Albers.

Wenn Industrie, Behörden und Gesetzgeber zusammenarbeiten, können bis 2020 Windparks mit einer Gesamtkapazität von 10.000 Megawatt in der Nord- und Ostsee entstehen, so der BWE-Präsident. An Land erwarte der BWE bis dahin eine Kapazität von 45.000 Megawatt. Allein in Deutschland könnte Windenergie dann mehr als 25 Prozent des Stromverbrauchs bereitstellen.

Der IPCC stellt in seinen Berichten im Auftrage der Vereinten Nationen die aktuellen wissenschaftlichen Grundlagen der Klimaänderung im Konsens der internationalen Forschung fest. An ihm wirkten Hunderte von Wissenschaftlern aus vielen Staaten mit. Am 2. Februar diesen Jahres wurde der erste Teilband des IPCC-Sachstandsberichts veröffentlicht. Darin werden die wissenschaftlichen Grundlagen dargestellt. Der am 4. April vorgestellte zweite Teilband befasst sich mit den Folgen der Klimaänderung. Ein abschließender Synthesebericht, der die wesentlichen Aussagen der drei Teilbände auf politische Fragestellungen hin zusammenfasst, wird im November in Valencia (Spanien) verabschiedet.