Sichere Energieversorgung

DPG-Studie kritisiert Verzicht auf Atomenergie

Auf Kernenergie kann in einem umweltverträglichen Energiemix auf absehbare Zeit nicht verzichtet werden. Das ist das (nicht neue) Ergebnis einer Studie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG). Anlass genug für die bayrische CSU, erneut für die Abkehr vom Atomausstieg zu werben.

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Brüssel/München (ddp-bay/sm) - In der Debatte um den Klimaschutz macht sich Bayerns Europaministerin Emilia Müller (CSU) für längere Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke stark. "Die Kohlendioxid-Problematik lässt sich europaweit nur mit einem Beitrag der Kernenergie für die künftige Energieversorgung lösen", sagte die Ministerin gestern bei der Vorstellung einer Klimaschutzstudie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) in Brüssel.

Die Ministerin sieht in der Studie ihre Position bestätigt, dass in einem umweltverträglichen Energiemix auf die Kernenergie in absehbarer Zeit nicht verzichtet werden könne. Die Untersuchung der DPG komme zu dem Ergebnis, dass unter Klimaschutzaspekten die Kernkraftwerke in Deutschland so lange weiterlaufen sollten, bis genug andere Energiequellen ohne Treibhausgas-Emissionen zur Verfügung stehen. Bei Fortbestand der Kernenergie könne der Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um rund 35 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden.

Müller betonte: "Die Kernenergie vermeidet derzeit allein in Bayern Jahr für Jahr einen Kohlendioxid-Ausstoß von etwa 40 Millionen Tonnen, mehr als die gesamten Kohlendioxid-Emissionen des bayerischen Autoverkehrs." Ohne Kernenergie würden die Kohlendioxid-Emissionen nicht sinken, sondern bis 2020 wieder auf mehr als 100 Millionen Tonnen ansteigen. Erneuerbare Energien könnten die Kernenergie auf absehbare Zeit nicht ersetzen. Es gehe nicht um den Bau neuer Kernkraftwerke. "Wir brauchen aber endlich eine sachliche Diskussion über Perspektiven der Kernkraft in Deutschland", verlangte Müller.

Der Europaexperte der SPD-Landtagsfraktion, Linus Förster, zeigte sich verärgert über die Forderung der Ministerin. "Der Ausstieg aus der Atomenergie ist Konsens in der großen Koalition. Diese Vereinbarung muss auch von der CSU mitgetragen werden", forderte er. Dass Bayern in Brüssel erneut einen Sonderweg vertrete, schwäche das Gewicht deutscher Interessen bei den Institutionen der Europäischen Union.