Umweltfreundlicher

Dong Energy Kraftwerkspläne: Fernwärmeversorgung wird geprüft

Der dänische Energiekonzern Dong Energy will das umstrittene Projekt zum Bau eines Steinkohlekraftwerks in Lubmin bei Greifswald umweltfreundlicher und effektiver gestalten als ursprünglich geplant. Mittelfristig sei unter anderem eine Anlage zur Abtrennung von CO2 vorgesehen, sagte Projektleiter Peter Gedbjerg.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Kopenhagen/Lubmin (ddp-nrd/sm) - Zudem prüfe das Unternehmen die Koppelung mit einer Fernwärmeversorgung und die Nachrüstung mit Gasturbinen auf der Basis von Stroh oder Holzpellets. "Wir würden gern die Fernwärmeversorgung in der Region übernehmen", sagte Gedbjerg. Die dafür zur Verfügung stehende Dampfleistung würde zur Versorgung von mindestens 400.000 Haushalten im Umkreis von bis zu 50 Kilometern ausreichen. Denkbar seien preiswerte Versorgungsleistungen für Greifswald, Wolgast, aber auch Anklam oder Stralsund. Dazu müsste allerdings zusätzlich in ein Rohrleitungsnetz und die Nachrüstung von Verteilerstationen investiert werden, sagte Gedbjerg, der sich für Verhandlungen mit den Kommunen aussprach.

Käme es zur Auskopplung der Fernwärme könnte nicht nur der thermische Wirkungsgrad des Kraftwerks von 46 auf bis zu 94 Prozent erhöht, sondern auch die thermische Belastung des Greifswalder Bodens reduziert werden. Unabhängig davon arbeite man derzeit an einer umfassenden Studie über die Auswirkungen auf das sensible Ökosystem des Flachwasserareals.

Vorerst kein schwimmender Kohleumschlaglatz

Im Unterschied zu früheren Ankündigungen will Dong Energy zudem auf eine schwimmende Kohleverladestation vor der deutschen Ostseeküste verzichten. Ein so genannter Transshipper sei nicht geplant, die Kohle werde voraussichtlich mit so genannten Kohlebargen vom dänischen Hauptdepot bei Stignäs angeliefert, sagte Gedbjerg. Er ließ jedoch offen, ob weitere Anteilseigner des künftigen Kraftwerks wie WV Energie und einige Stadtwerke einen Transshipper planten.

Auch eine deutliche Reduzierung des zu erwartenden jährlichen Ausstoßes von 6,9 Millionen Tonnen Kohledioxid werde langfristig angestrebt. "Für eine Anlage zur Abtrennung des als Klimakiller geltenden Abgases halten wir vorsorglich eine Teilfläche frei", sagte der Projektleiter. Das Gas könnte an Kunden verkauft oder möglicherweise sogar ab 2020 in Vorpommerns ausgebeuteten unterirdischen Erdgas-Kavernen eingelagert werden. Denkbar sei auch die Nachrüstung mit zwei Gasturbinen, die über die Verbrennung von Stroh oder Holzpellets angetrieben werden.

Noch bestehende Bedenken gegen das Steinkohlekraftwerk wolle Dong Energy im Dialog mit den Bewohnern der Region abbauen, sagte Gedbjerg. Für Juni sei eine Fahrt für Interessenten zum bauähnlichen Kraftwerk Avedoere bei Kopenhagen geplant. Von dem Unternehmen könnten möglicherweise auch die Rügener Kreidewerke profitieren, denn das Kraftwerk benötige jährlich 70.000 Tonnen Kreide, was einer wöchentlichen Lieferung von etwa 30 Waggons entspräche.

Zudem kündigte das dänische Unternehmen eine Werbekampagne an. Den in wirtschaftlichen Schwierigkeiten geratenen Greifswalder Sportverein 04 habe Dong Energy zunächst mit 20.000 Euro gesponsert, sagte Gedbjerg. Angestrebt werde eine längerfristige Partnerschaft, vorausgesetzt das rund 1,5 Milliarden Euro teure Kraftwerk werde wie geplant 2012 in Lubmin in Betrieb gehen.