Pläne aufgegeben

Dong Energy: Kein Kohlekraftwerk in Lubmin (Upd.)

Der dänische Energiekonzern Dong Energy gibt seine Pläne zum heftig umstrittenen Bau eines Steinkohlekraftwerks in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern auf. Den Beschluss, auf das Zwei-Milliarden-Euro-Projekt zu verzichten, habe der Aufsichtsrat am Freitag gefass. Kraftwerksgegner und Umweltorganisationen begrüßten die Entscheidung.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Lubmin (ddp/red) - Dong Energy sei nicht mehr davon überzeugt, dass das Projekt den erforderlichen Rückhalt der Landesregierung genieße, hieß es in einer Erklärung. Hinzu komme, dass sich das Genehmigungsverfahren ohne Aussicht auf baldige Klärung sehr in die Länge gezogen habe. "Da wir den Eindruck haben, dass das Projekt bei der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern die erforderliche politische Unterstützung nicht findet, ziehen wir die entsprechenden Konsequenzen", sagte der geschäftsführende Direktor Anders Eldrup.

Gegner: Gut für Umwelt und Tourismus

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wertete die Entscheidung als Sieg der Vernunft. Der Verzicht des Investors auf das umweltschädigende Kohlekraftwerk sei zugleich das richtige Zeichen für den Klimagipfel in Kopenhagen, sagte BUND-Landeschefin Corina Cwielag. Der Sprecher der Lubminer Bürgerinitiative, Michael Woitacha, sagte, er sei "unendlich glücklich". Der Kampf der 400 Mitglieder in vier Bürgerinitiativen gegen das tourismusfeindliche Projekt habe sich gelohnt. Zugleich appellierte Woitacha an den Investor, sich in Mecklenburg-Vorpommern bei erneuerbaren Energien zu engagieren.

Kritik von Unternehmer an Ministerpräsident Sellering

Dagegen warnte der Unternehmerverband Vorpommern vor einer schweren Wirtschaftskrise in Vorpommern. Nach der Ankündigung der Werften in Stralsund und Wolgast, bis zu 600 Arbeitsplätze abzubauen, sei das Kraftwerk-Aus ein weiterer schwerer Schlag, sagte Präsident Gerold Jürgens. Heftige Kritik übte der Unternehmer am Ministerpräsidenten Sellering, der mit seinem öffentlichen Bekenntnis gegen das Kraftwerk die Verantwortlichen in den Genehmigungsbehörden unter Druck gesetzt. Auch der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP im Landtag, Michael Roolf, warf dem Regierungschef vor, maßgeblich dazu beigetragen zu haben, dass sich Dong Energy zurückgezogen habe.

Sellering: Kraftwerk nicht genehmigungsfähig

Sellering wies die Kritik zurück. Die Landesregierung habe ein faires rechtsstaatliches Genehmigungsverfahren sichergestellt. Dong Energy habe das Verfahren jedoch zuletzt immer zögerlicher betrieben. Offenbar habe das Unternehmen nicht den Beweis für eine Genehmigungsfähigkeit erbringen können. Umweltminister Till Backhaus (SPD) sagte, er vermute hinter der Entscheidung eher unternehmerische Gründe als eine Reaktion auf die politische Diskussion. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei das Projekt nicht genehmigungsreif gewesen.

Vor drei Jahren hatte Dong Energy angekündigt, bis 2012 am neuen Industriehafen Lubmin für rund zwei Milliarden Euro ein 1600-Megawatt-Kraftwerk zu errichten. Bereits im Oktober zog Dong Energy seine Pläne zum Bau eines Kohlekraftwerks in Emden zurück.