Hoher Rückgang

DIW: Deutschland senkt Emissionen um zwei Prozent

Die Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland sind - im Vergleich zu 2004 - im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf etwa 872 Millionen Tonnen gesunken, heißt es im aktuellen Wochenbericht 12/2006 des DIW Berlin. Einen so hohen Rückgang habe es seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr gegeben.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Laut Deutschem Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) ist dies in erster Linie auf den geringeren Primärenergieverbrauch als Folge der hohen Energiepreise, aber auch auf den wachsenden Anteil von erneuerbaren Energien und Erdgas zurückzuführen. Wie weit der Anfang 2005 gestartete europaweite Emissionshandel dazu beigetragen hat, lässt sich nach Auskunft des DIW noch nicht beurteilen.

Der gesamte Kohlendioxidausstoß in Deutschland habe sich gegenüber dem Jahr 1990 temperaturbereinigt um 17 Prozent verringert. Deutschland sei damit eines des wenigen Industrieländer, in denen die Kohlendioxidemissionen seit Anfang der 90er Jahre deutlich reduziert werden konnten, wenn auch das frühere nationale Reduktionsziel von 25 Prozent weit verfehlt wurde, lautet die Bilanz der Experten aus Berlin. Und weiter: "Zum Nachlassen der klimaschutzpolitischen Anstrengungen besteht somit kein Anlass."

Den größten Beitrag zum Rückgang der absoluten Kohlendioxidemissionen seit 1990 hätten Energiesektor und Industrie geleistet, heißt es weiter. Verkehr und private Haushalte hätten dagegen nur vergleichsweise wenig zur Emissionsminderung beigetragen. Da sie nicht dem Emissionshandel unterliegen, sollten für diese Sektoren spezielle Minderungsmaßnahmen eingeführt werden, fordert der DIW Berlin.

Stärker als die absoluten Kohlendioxidemissionen sei ohnehin die gesamtwirtschaftliche Emissionsintensität - das Verhältnis der temperaturbereinigten Kohlendioxidemissionen zum realen Bruttoinlandsprodukt - zurückgegangen. Die wichtigste emissionssteigernde Komponente war seit Anfang der 90er Jahre das gesamtwirtschaftliche Pro-Kopf-Einkommen, sie fiel in der Periode 2000 bis 2005 aufgrund des schwachen Wirtschaftswachstums vergleichsweise niedrig aus. Bei den Emissionen je Einwohner liege Deutschland daher noch immer mehr als zweieinhalb mal so hoch wie der weltweite Durchschnitt, auch wenn dies nur etwa die Hälfte dessen sei, was in den USA pro Kopf emittiert wird.

In einer ersten Reaktion wertete das Umweltbundesamt (UBA) die vom DIW bilanzierte Entwicklung als "erfreulich". Sie seien indes kein Grund, Tempo aus dem Klimaschutz zu nehmen. "Wir haben es in erster Linie mit Einmaleffekten zu tun. Wir können nicht damit rechnen, dass der Rückgang in den kommenden Jahren automatisch weitergeht", kommentierte UBA-Präsident Prof. Dr. Andreas Troge. "Es wäre unangemessen, falls wir nun die Hände in den Schoß legten. Klimaschutz ist eine Daueraufgabe."

Das UBA erwartet, dass Deutschland sein Kyoto-Ziel von 21 Prozent weniger Treibhausgasausstoß bis 2010 gegenüber 1990 knapp erreichen wird. Dies sei jedoch nur zu schaffen, wenn alle im Koalitionsvertrag beschlossenen Maßnahmen auch vollständig realisiert würden. Dazu zählten die Aufstockung und Verbesserung des Gebäudesanierungsprogramms und die Rückführung der klimaschädlichen Subventionen wie Eigenheimzulage und Pendlerpauschale.

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