Ernüchternde Bilanz

DIW Berlin: Gravierende Verfehlung der Emissionsziele

Die Industrieländer haben es bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht geschafft, ihre Treibhausgasemissionen zu stabilisieren, geschweige denn zu reduzieren. Dies stellt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seinem aktuellen Wochenbericht fest. Und eine Trendumkehr in Richtung einer nachhaltigen Emissionsreduktion sei nicht zu erkennen.

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Am kommenden Montag wird die Staatengemeinschaft in Johannesburg auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung eine ernüchternde Bilanz ziehen: Gerade die Industrieländer, die als hauptverantwortlich für das Entstehen der Klimaproblematik angesehen werden, haben es bis heute nicht vermocht, ihre Treibhausgasemissionen zu stabilisieren, geschweige denn zu reduzieren. Dies stellt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seinem aktuellen Wochenbericht 34/2002 fest. Lediglich der - jedoch keineswegs klimaschutzpolitisch begründete - Emissionsrückgang in den Transformationsländern Mittel- und Osteuropas in den 90er Jahren hätte zu einer Entspannung beigetragen. Nimmt man die starke Zunahme der Emissionen in den Entwicklungsländern hinzu, so ist im globalen Maßstab noch immer keine Trendumkehr in Richtung einer nachhaltigen Emissionsreduktion zu erkennen, berichtet das DIW.

Ein Plus von 44 Prozent

Zu einer besonders starken Zunahme der Kohlendioxid-Emissionen sei es von 1990 bis 2001 in den Entwicklungsländern mit einem Plus von 44 Prozent gekommen. Dadurch hat sich deren Anteil an den weltweiten Kohlendioxid-Emissionen zwar deutlich von gut 31 (1990) auf fast 40 Prozent (2001) erhöht, doch entfällt nach wie vor der größte Anteil – nahezu die Hälfte – auf die westlichen Industrieländer. Hier sind die Kohlendioxid-Emissionen laut DIW von 1990 bis 2001 mit gut elf Prozent nur wenig schwächer als im weltweiten Durchschnitt gestiegen. Absolut am umfangreichsten war die Emissionszunahme gegenüber 1990 mit 730 Millionen Tonnen Kohlendioxid (15,2 Prozent) in den USA, gefolgt von Japan (knapp 130 Millionen Tonnen) sowie von Kanada und Australien mit jeweils etwa 80 Millionen Tonnen. Lediglich Deutschland und Großbritannien erreichten eine gewichtige Emissionsminderung. Nur deshalb ergab sich auch für die Europäischen Union (EU) insgesamt eine Senkung, so das DIW.

Anstieg in USA bei weitem am stärksten

Prognosen würden darauf hindeuten, dass in Zukunft fast überall mit einem Emissionsanstieg gerechnet werden müsse. So erwartet die US-amerikanische Energy Information Administration (EIA), dass gegenüber 1990 die weltweiten Kohlendioxidemissionen bis 2010 um fast 36 Prozent und bis 2020 um nahezu 70 Prozent steigen. Mit einem Plus von 54 Prozent bis zum Jahre 2020 dürfte der Anstieg in den USA bei weitem am stärksten sein. Doch auch für die westeuropäischen Länder, die sich zusammengenommen (verbindlich) zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2008/2012 um acht Prozent verpflichtet haben, wird zumindest bei den Kohlendioxid-Emissionen noch eine deutliche Steigerung vorhergesagt.

Verpflichtungen können kaum erfüllt werden

Aus heutiger Sicht sei ohne einen grundlegenden Wandel der klimaschutzpolitisch relevanten Rahmenbedingungen eine gravierende Verfehlung der global angestrebten Reduktionsziele zu erwarten, sieht das DIW voraus. Derzeit bestünden erhebliche Zweifel, dass die Industrieländer ihre Reduktionsverpflichtungen bis 2008/2012 auf eigenem Gebiet erfüllen können. Das DIW Berlin stellt fest, dass Deutschland bei einer konsequenten Fortsetzung seiner Klimaschutzpolitik zumindest gute Chancen einer Zielerfüllung in dieser Zeit hat. Allerdings dürfte Deutschland sein selbst gestecktes - anspruchsvolleres - Ziel verfehlen, die Kohlendioxid-Emissionen schon bis 2005 um ein Viertel gegenüber 1990 zu senken.