Emissionen steigen

DIW Berlin: EU wird Kioto-Ziele verfehlen

Die weltweiten Kohlendioxidemissionen sind 2005 gegenüber dem Vorjahr um etwa 2,5 Prozent gestiegen, gegenüber 1990 betrug der Anstieg sogar nahezu 27 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in seinem aktuellen Wochenbericht 35/2006.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Damit habe der weltweite Klimaschutz im vergangenen Jahr erneut einen Rückschlag erlitten, wenn auch die Zunahme im Jahr 2005 schwächer ausfiel als im Jahr davor (4,5 Prozent), lautet daher die Einschätzung der Experten. Selbst viele der Länder, die das Kioto-Protokoll ratifiziert haben, seien noch weit von ihrem zugesagten Reduktionsziel entfernt. Vorübergehende Rückgänge seien fast ausschließlich auf den starken wirtschaftlichen Einbruch in den mittel- und osteuropäischen Ländern während der 90er Jahre zurückzuführen, hieß es weiter.

Dem Bericht zufolge sind die Kohlendioxidemissionen in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent und gegenüber dem Basisjahr 1990 um 19 Prozent gesunken. Damit fehlen Deutschland zur Erreichung des Kioto-Zieles (minus 21 Prozent) noch gut zwei Prozentpunkte - etwa 22 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente.

Finnland, Frankreich, Großbritannien und Schweden hingegen hätten ihr Soll schon erfüllt, schreibt das DIW. In den meisten Mitgliedsländern der EU-15 hätten die Emissionen dagegen seit 1990 kräftig zugenommen, etwa in Spanien (62 Prozent), Portugal (50 Prozent) Irland (45 Prozent), Österreich und Griechenland (jeweils 30 Prozent), Niederlande (16 Prozent) und Italien (13 Prozent). Das DIW sieht die Verfehlung der Kioto-Ziele für die EU daher bereits vorprogrammiert.

Damit der Emissionshandel einen wesentlichen Beitrag zur Minderung des Treibhausgasausstoßes leisten kann, müssten klarere Emissionsbegrenzungen (caps) durchgesetzt werden, heißt die zentrale Schlussfolgerung des DIW. Handlungsbedarf bestehe aber vor allem in den nicht vom Emissionshandel betroffenen Sektoren, etwa bei den privaten Haushalten, insbesondere aber im Verkehr. EU-weit sei der Verkehr inzwischen nach der Energieindustrie, jedoch deutlich vor allen anderen Bereichen, der größte Kohlendioxid-Emittent.

Weiterführende Links