Konjunkturhoffnung und Kriegsangst

DIW Berlin: 20 bis 25 US-Dollar je Barrel Rohöl bei Beruhigung im Nahen Osten

Im ersten Quartal dieses Jahres sind die Preise für Rohöl auf 27 US-Dollar je Barrel gestiegen. In seinem aktuellen Wochenbericht geht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung davon aus, dass die Preise im zweiten Quartal wegen eines saisonal bedingt sinkenden Verbrauchs und der Lagerbestände abbröckeln. Es sei denn, die Krise im Nahen Osten weitet sich aus.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Anzeichen für einen einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwung in den USA und Europa, die zunehmende Quotendisziplin der OPEC-Länder und Spekulationen um eine militärische Intervention der USA im Irak, von der eine Verknappung der Ölversorgung befürchtet wird, lösten im ersten Quartal 2002 einen unerwartet starken Preisauftrieb beim Rohöl aus. Anfang April hat der Preis für Rohöl bereits 27 US-Dollar je Barrel überschritten.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) geht in seinem aktuellen Wochenbericht 15/2002 davon aus, dass bei einer Beruhigung der Lage im Nahen Osten die Ölpreise zunächst wieder abbröckeln werden (auf 20 bis 25 US-Dollar je Barrel). Als Gründe hierfür nennt das Berliner Institut den im zweiten Quartal saisonal bedingt sinkenden Ölverbrauch und die vorhandenen Lagerbestände. Sollte sich die Krise im Nahen Osten hingegen ausweiten, sind weitere Preissteigerungen auf über 30 US-Dollar je Barrel wahrscheinlich.

Der Preis für Rohöl ist Ende vergangenen Jahres aufgrund der weltweit schwachen Konjunktur und der rückläufigen Ölnachfrage innerhalb von drei Monaten um etwa zehn US-Dollar auf 18 US-Dollar je Barrel gefallen. Verstärkt wurde dieser konjunkturelle Effekt durch den Einbruch des Treibstoffverbrauchs im Luftverkehr als Folge der Ereignisse vom 11. September. Der Preisverfall wurde erst Anfang 2002 gestoppt, nachdem die OPEC angekündigt hatte, zusammen mit Ölproduzenten außerhalb des Kartells die Ölgewinnung um knapp drei Prozent (2 Millionen Barrel pro Tag) zu senken und damit an den niedrigeren Verbrauch anzupassen.