Hohe Investitionen nötig

DIW befürchtet fehlendes Interesse an Netzen der Stromkonzerne

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat die Ankündigung des Energiekonzerns E.ON, sein Stromnetz zu verkaufen, begrüßt. Jedoch herscht Skepsis, ob es überhaupt Kaufinteressenten gibt. BMU-Staatssekretär geht davon aus, dass E.ON zumindest einen potentiellen Käufer hat.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - "Aus Wettbewerbssicht wäre es positiv, wenn die Stromkonzerne sich von ihren Netzen trennen würden", sagte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert der "Berliner Zeitung". Allerdings sei sie skeptisch, ob es überhaupt passende Interessenten für die Netze gebe. "Hier sind umfangreiche Investitionen nötig", sagte Kemfert.

Die Kosten dafür seien hoch, die zu erwartenden Erlöse aber gering. "Welche Unternehmen wollen sich das antun?", fragte Kemfert. Wichtig sei zu gewährleisten, dass es unter den neuen Eigentümern keinen Marktmissbrauch und keine Behinderung des Wettbewerbs gebe. Dann könnten langfristig auch die Verbraucher in Form niedrigerer Preisen davon profitieren.

Ähnlich skeptisch wie Kemfert äußerte sich auch der parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD). "Ich bin sehr gespannt, wer überhaupt bereit ist, so ein Netz zu kaufen", sagte Müller am Freitagmorgen dem RBB-Radiosender Radio Eins. Er gehe davon aus, dass E.ON das nicht gemacht hat, ohne zumindest einen potenziellen Kunden zu haben.

Müller zufolge muss noch geklärt werden, ob E.ON dazu beitragen muss, dass "trotzdem in ein neues Netz investiert wird" oder sich darum der Neue kümmern muss. "Das finde ich schon eine interessante Frage und das müssen wir auch insgesamt mal überprüfen", sagte Müller.