Hiobsbotschaft

Dividendenstreichung: RWE verschreckt Aktionäre

Die RWE-Aktionäre sind geschockt: Der Konzern hat aufgrund der hohen Verluste im vergangenen Jahr verkündet, die Dividende fast komplett zu streichen. Das hat die Anleger verschreckt und den Wert der Aktien um rund zwölf Prozent geschmälert.

RWE

Essen (dpa-AFX/red) - Im Kampf ums eigene Überleben greift der angeschlagene Energiekonzern RWE zum nächsten schmerzhaften Mittel: Nach einem Verlust im vergangenen Jahr will der Vorstand den Aktionären die Dividende fast ganz streichen, wie das Unternehmen am Mittwoch in Essen mitteilte. Lediglich die Vorzugsaktionäre sollen noch eine Mini-Ausschüttung von 13 Cent je Anteilsschein bekommen; für Stammaktionäre soll es nichts geben.

RWE-Aktien verloren rund zwölf Prozent an Wert

In den beiden Vorjahren hatte der in der Vergangenheit für seine verlässlichen Ausschüttungen bekannte Konzern noch einen Euro pro Aktie gezahlt. Das entsprach einer Gesamtauszahlung von 615 Millionen Euro, jetzt sollen gerade noch insgesamt 5 Millionen an die Vorzugsaktionäre fließen. Der Schritt traf die Anleger auf dem falschen Fuß: An der Börse verloren die im Dax notierten Stammaktien bis zum späten Vormittag annähernd zwölf Prozent an Wert.

Für die Stadt Essen stehen 18 Millionen Euro auf dem Spiel

Schon die Halbierung der Dividende vor zwei Jahren hatte bei RWE für erhebliche Verstimmung gesorgt. Viele Kommunen vor allem in Nordrhein-Westfalen bauen in ihren klammen Haushalten auf Ausschüttungen des Konzerns, an dem sie rund ein Viertel der Anteile halten. Der Kämmerer der Stadt Essen, Lars Martin Klieve, reagierte entsetzt auf den neuen Vorschlag des Vorstands. "Das übertrifft meine schlimmsten Alpträume", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Für die Stadt fielen damit gut 18 Millionen Euro an Einnahmen weg.

Terium: Kürzung ist notwendig

"Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Perspektiven in der konventionellen Stromerzeugung haben wir heute eine Dividendenentscheidung getroffen, die uns nicht leicht gefallen ist", sagte RWE-Vorstandschef Peter Terium. "Wir wissen, dass wir mit der heutigen Entscheidung viele Aktionäre enttäuschen. Sie ist jedoch notwendig, um unser Unternehmen zu stärken." Terium warb um Verständnis: "Eine Ausschüttungspolitik mit Augenmaß, die sich im Rahmen des Möglichen bewegt, liegt auch im Interesse der Aktionäre."

Kosten für den Atomausstieg sind noch ungewiss

Neben der drastischen Verschlechterung der Ertragsaussichten hätten auch politische Risiken zu dieser Entscheidung beigetragen. Derzeit verhandeln die Energiekonzerne etwa mit einer von der Bundesregierung eingesetzten Kommission über die Finanzierung des Atomausstiegs. Analysten fürchten neue massive Belastungen für die Unternehmen.

200 Millionen Euro Verlust im vergangenen Jahr

Im vergangenen Jahr hatte sich die Talfahrt des zweitgrößten deutschen Energieversorgers beschleunigt. Vor allem in der konventionellen Stromerzeugung brechen die Gewinne angesichts des durch den Ökostromboom ausgelösten Verfalls der Preise im Großhandel weg. Der Konzern schrieb wegen der immer schlechteren Aussichten rund 2,1 Milliarden Euro auf seine Kohle-, Atom- und Gaskraftwerke ab. Das führte unter dem Strich zu einem Verlust von 200 Millionen Euro. Damit fraßen die Wertberichtigungen auch den Sondergewinn aus dem Verkauf des Öl- und Gasförderers Dea im ersten Quartal auf.

Gewinn soll weiter sinken

Ein Ende des Absturzes ist nicht in Sicht. Auch in diesem Jahr rechnet der Vorstand mit weiteren Ergebnisrückgängen. So soll der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 7 auf 5,2 bis 5,5 Milliarden Euro sinken, wie das Unternehmen am Mittwoch in Essen mitteilte. Dabei rechnet RWE mit einem weiteren Verfall der Gewinnmargen seiner Kohle-, Atom- und Gaskraftwerke. Hinzu kommen dürften weitere Belastungen wegen großer Probleme im britischen Geschäft. Zudem dürften einige Sondereffekte wegfallen, die die Bilanz im vergangenen Jahr noch stabilisiert hatten.

Das betriebliche Ergebnis soll deshalb von 3,8 auf 2,8 bis 3,1 Milliarden Euro sinken. Um Sondereffekte bereinigt rechnet der Vorstand noch mit einem Überschuss zwischen 500 und 700 Millionen Euro nach 1,1 Milliarden im vergangenen Jahr. Schulden und Mitarbeiterzahl sollen sich hingegen kaum verändern.

Sparprogramm soll noch einmal verschärft werden

Als Reaktion auf die Krise des Konzerns spaltet RWE das Zukunftsgeschäft mit erneuerbaren Energien, den Netzen und dem Vertrieb in eine neue Tochter ab. Zehn Prozent der Anteile sollen davon im Zuge einer Kapitalerhöhung bis zum Jahresende an die Börse gehen. Das soll frisches Geld in die Kassen spülen und so neue Spielräume für Investitionen in erneuerbare Energien schaffen. Zudem kündigte RWE nun an, das laufende Sparprogramm noch einmal zu verschärfen. Es soll die Kosten um weitere 500 Millionen Euro drücken und nun insgesamt bis 2018 Einsparungen von 2,5 Milliarden Euro bringen.