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Diskussion um Pläne für Öl-Transporte über die Ostsee

Umweltexperten haben mit Kritik auf russische Überlegungen reagiert, künftig mehr Öl mit Tankern über die Ostsee nach Westeuropa zu transportieren. Sie befürchten eine erhöhte Unfallgefahr. Der Lübecker Hafen will von den russischen Plänen profitieren und bietet sich als Umschlaghafen an.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp). "Ein solches Vorhaben würde das Gefahrenpotenzial vor der deutschen Küste dramatisch erhöhen", sagte der Schifffahrtsexperte von Greenpeace Deutschland, Christian Bussau, der "Berliner Zeitung". Vor allem in der heute schon dicht befahrenen Kadet-Rinne würde sich das Verkehrsaufkommen noch einmal wesentlich steigern.

"Ohne wirkliche Not wäre ein Ausbau des Tankertransports auf der Ostsee einfach verantwortungslos", sagte die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Sylvia Kotting-Uhl.

Für eine "grundsätzlich gute Möglichkeit" zur Erhöhung der Versorgungssicherheit hält dagegen der Öl-Experte Klaus Matthies vom Hamburger Wirtschaftsforschungsinstitut HWWA die russischen Überlegungen. Allerdings müsse man fragen, "ob diese Variante nötig ist, wenn sich alle Vertragspartner vernünftig verhalten". Man dürfe nicht übersehen, dass ein Ostseetransport "zu Verärgerung bei denen führen wird, die vom Transit dann nicht mehr profitieren". Nicht nur Weißrussland realisiere Einkünfte aus Transitgebühren, sondern beispielsweise auch Polen und die Ukraine.

"Wir haben großes Interesse daran, dass das russische Öl im Lübecker Hafen gelöscht wird", sagte der Geschäftsführer der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG), Manfred Evers, den "Lübecker Nachrichten". Er betonte: "Die LHG würde sich gerne für das Geschäft zur Verfügung stellen."

Auch Lübecks Wirtschaftssenator Wolfgang Halbedel (CDU) macht sich für Lübeck als künftigen Öl-Umschlaghafen stark. Er sagte: "Solche Chancen dürfen wir nicht an uns vorüber gehen lassen." Denkbar sei eine Ölpipeline nach Hamburg.

Zustimmung kommt vom Kieler Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU). Er betonte: "Schleswig-Holsteins Häfen wie Lübeck oder Brunsbüttel, die in ihren Kapazitäten derzeit massiv ausgebaut werden, sind durchaus geeignet, in Zukunft auch Öl umzuschlagen."

Russland hatte angekündigt, nach dem Öl-Streit mit dem Transitland Weißrussland die Umschlagskapazität des nördlich von St. Petersburg am Finnischen Meerbusen gelegenen Hafens Primorsk um 45 Millionen auf 120 Millionen Tonnen jährlich auszubauen.