Umweltministerium fordert Energiepakt

Diskussion um Ölpreisbindung von Erdgas hält an

Das Bundesumweltministerium seinen Vorstoß zur Entkoppelung des Gaspreises vom Ölpreis präzisiert und fordert direkte Verhandlungen mit Gaslieferanten, auch Energieexpertin Kemfert hält die Koppelung für "nicht mehr zeitgemäß", andere Experten halten diese jedoch für durchaus nötig.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - "Die EU sollte direkt mit Russland verhandeln. Wir brauchen einen Energiepakt", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium, Michael Müller (SPD) gegenüber der "Financial Times Deutschland". Europa könne Russland dringend benötigte Technologien für die Infrastruktur und zur Sicherung der Gasförderung garantieren. "Russland sollte im Gegenzug Preissicherheit bieten", sagte Müller weiter.

Der SPD-Politiker hatte am Wochenende eine Debatte über die Gaspreisbindung ausgelöst. Diese sei dafür verantwortlich, dass die Gaspreise im Herbst nochmals um bis zu 40 Prozent steigen könnten.

"Ohne die Koppelung an den Ölpreis wäre das Gas deutlich günstiger, aktuell ist es künstlich verteuert", sagte auch die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, dem "Tagesspiegel".

Warnungen vor Abkoppelung der Erdgaspreise vom Erdöl

Branchenexperten sehen das allerdings anders. Im weltweiten Wettbewerb könnten die Gasproduzenten, wie etwa der weltgrößte Anbieter Gazprom aus Russland, diese Bedingungen in langfristigen Lieferverträgen diktieren, sagte ein Insider den ddp/Dow Jones Wirtschaftsnachrichten. Wenn deutsche Abnehmer diese Bedingungen nicht akzeptierten, würden chinesische oder indische Interessenten zum Zug kommen. Zudem würde auch eine Aufhebung der Ölpreisbindung diese praktisch nicht beenden. Öl werde weiter die Leitenergie bleiben, an der sich andere Energiepreise ausrichteten, zeigte sich der Experte überzeugt.

Auch der Direktor des Hamburgischen WeltWirtschafts Instituts, Thomas Straubhaar, hat eindringlich vor einer Abkoppelung der Erdgaspreise vom Öl gewarnt. "Ich warne davor, die Preisbindung von Gas an Erdöl jetzt einfach zu kündigen. Wenn Deutschland einseitig die langfristigen Lieferverträge mit Russland aufgibt, werden sich auch die Gasproduzenten künftig nicht mehr an Verträge zu halten haben", sagte Straubhaar der "Bild"-Zeitung. Das bedeute: Die Anbieter könnten willkürlich über den Preis bestimmen und den Gashahn jederzeit einfach zudrehen. Das könne niemand wollen.