Bewertung der Kernenergie

Diskussion über World Energy Outlook 2006

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) begrüßte die Veröffentlichung des World Energy Outlook 2006 der Internationalen Energie Agentur (IEA) als wichtige Orientierungshilfe für die Energiepolitik. Die SPD kritisiert dagegen die Einschätzung der Zukunft der Kernenergie.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Der World Energy Outlook 2006 beschreibt in verschiedenen Szenarien die globale Energiezukunft bis zum Jahre 2030. Im Referenzszenario wird dabei ein Bild gezeichnet, das von einem Zuwachs des Weltenergiebedarfs um mehr als 50 Prozent bis 2030 gekennzeichnet ist. Über 70 Prozent dieses Anstiegs beanspruchen die Entwicklungsländer, deren Wirtschaft und Bevölkerung stärker steigen als in den Industrieländern. Die steigende Nachfrage nach fossilen Energieträgern stellt die Sicherheit der Versorgung vor ernste Probleme und erhöht den Ausstoß an energiebedingten Kohlendioxid (CO2)-Emissionen um 55 Prozent.

Diesem Bild wird ein Alternativszenario gegenübergestellt, dass auf der Umsetzung von gegenwärtig geplanten energie- und umweltpolitischen Maßnahmen basiert. Dadurch ergeben sich gegenüber dem Referenzszenario Einsparungen beim Energieverbrauch von zehn Prozent und bei den CO2-Emissionen um 16 Prozent. Zu den hierfür erforderlichen Maßnahmen zählen verstärkte Einsparmaßnahmen und eine stärkere Nutzung von erneuerbaren Energien und der Kernenergie. Allerdings zeigt auch dieses "Alternativszenario" noch deutlich steigende CO2-Emissionen. Eine Absenkung auf das heutige Niveau erforderte technologische Fortschritte in bislang nie gekanntem Ausmaß. Außerdem müssten noch stärkere politische Maßnahmen ergriffen werden als im Alternativszenario, vor allem in den Bereichen Energieeinsparung, bei der Ankurbelung der Stromerzeugung auf Basis der Kernenergie und der Erneuerbaren und durch stärkere Unterstützung der Einführung der CO2-Abscheidung und Lagerung.

Glos kommentierte: "Besonders wichtig sind die langfristige Bereitstellung von Energie für eine wachsende Weltwirtschaft, die Absicherung der Energieversorgung und die drängende Aufgabe, die CO2-Emissionen abzusenken. Diese Ziele können wir nur in internationaler Abstimmung und bei Nutzung aller sinnvollen Einsparpotentiale und geeigneten Energiequellen erreichen. Wie für die IEA heißt das im übrigen auch für mich: Wir brauchen dazu die Kernenergie."

Der stellvertretender energiepolitischer Sprecher der SPD-Fraktion Axel Berg erklärte zu der Veröffentlichung, es sei mehr als bedauerlich, dass schon im nun vorliegenden Bericht der mögliche Beitrag der Kernenergie für die weltweite, klimaverträgliche Energieversorgung gepriesen wird.

Berg verwies auf Analysen der IEA zum Beitrag der Erneuerbaren Energien. Noch in dem zum G8-Gipfel in Sankt Peterburg präsentierten IEA-Bericht "Perspektiven der Energie-Technologien 2006" sei den Erneuerbaren Energien in nahezu allen Szenarien für das Jahr 2050 ein größerer Beitrag zur CO2 -Reduzierung im Bereich der Stromerzeugung zugeschrieben worden als der Atomkraft. Im Gegensatz zur Kernenergie können Erneuerbare Energien zusätzlich im Wärme- und im Verkehrsbereich eingesetzt werden und tragen somit auch dort zum Klimaschutz und zur Versorgungssicherheit bei.

Er begrüßt die Initiative der Bundesregierung zur Gründung einer Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien, mit deren Hilfe die Aus- und Weiterbildung im Bereich der Erneuerbaren Energien und der Technologie-Transfer in Entwicklungsländer verstärkt werden soll.

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