Neue Studie

Diskussion über möglichen Aufschluss neuer Tagebaue in der Lausitz

Brandenburgs Wirtschaftsminister Junghanns bekräftigte am Mittwoch, er wolle an der Braunkohle-Verstromung in der Lausitz festhalten. Eine neue Studie sieht Potenzial für sieben Abbaugebiete. Von Oppositionsparteien und Verbänden kam teils heftige Kritik.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Cottbus/Potsdam (ddp/sm) - In der Lausitz könnten in den nächsten Jahrzehnten weitere sieben Braunkohlegebiete erschlossen werden. Das geht aus einer Studie der Universität Clausthal hervor, die Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) am Mittwoch in Cottbus vorstellte. Dabei bekräftigte der Minister die Notwendigkeit zum Aufschluss neuer Tagebaue. Opposition und Umweltschützer forderten dagegen einen Ausstieg aus der Braunkohle.

Junghanns sagte, allein mit erneuerbaren Energien könne der Bedarf nicht gedeckt werden. Deshalb brauche das Land auch in Zukunft fossile Energieträger. Die Braunkohle sei dabei der einzige heimische, langfristig verfügbare Rohstoff. Allerdings müsse die Braunkohle-Verstromung sauberer werden. Der Minister fügte hinzu: "Wir stehen vor der doppelten Herausforderung, Klimaschutz und Versorgungssicherheit sicherzustellen."

Die Studie stellt die wirtschaftlich verwertbaren Lagerstätten von Braunkohle für die nächsten Jahrzehnte dar. Bei der Untersuchung des Potenzials wurden auch Umweltfragen und soziale Belange geprüft. Am ehesten geeignet wären demnach zwei Areale bei Jänschwalde sowie Gebiete bei Forst, Bagenz, Spremberg, Neupetershain und Klettwitz.

Allerdings liefern die derzeitigen Tagebau noch über Jahre Braunkohle. So können die Tagebaue Cottbus-Nord bis 2015, Jänschwalde bis 2020 und Welzow-Süd bis 2030 betrieben werden. Laut Junghanns sollen neue Tagebaue erst erschlossen werden, wenn Braunkohle ohne Kohlendioxid-Ausstoß verstromt werden kann.

An entsprechenden Verfahren arbeitet derzeit der Energiekonzern Vattenfall. Ein Sprecher betonte, die Technik sei voraussichtlich ab 2020 verfügbar. Zugleich begrüßte der Sprecher die Studie und das Bekenntnis das Landes zur Braunkohle.

Nach Angaben des Linkspartei.PDS-Fraktion müssten bei einem Aufschluss der sieben in der Studie genannten Braunkohle-Vorkommen 30 Lausitzer Orte umgesiedelt werden. Davon wären 7000 Menschen betroffen, sagte die umweltpolitische Sprecherin Carolin Steinmetzer-Mann. Die Pläne seien skandalös. Die Braunkohle sei nach wie vor der klimaschädlichste Energieträger. Gutachten belegten, dass bis 2050 ein sozialverträglicher Ausstieg aus der Braunkohle möglich wäre.

Grünen-Landeschef Axel Vogel kritisierte den möglichen Aufschluss neuer Tagebaufelder als klimapolitisch unverantwortlich. Ein wirksamer Klimaschutz sei nur durch eine Abkehr von der Braunkohle möglich. Die Lücke könne durch Energieeinsparungen, Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbare Energien geschlossen werden.

Ein Sprecher des BUND kritisierte, die neue Tagebaue würden Klima und Menschen bedrohen. Derzeit sei ein CO2-Ausstoß bei der Braunkohle-Verstromung von 38 Millionen Tonnen im Jahr zu verzeichnen. Das seien zwei Drittel der gesamten CO2-Emissionen in Brandenburg. Die Landesregierung verfehle das Ziel ihrer Energiestrategie, bis 2010 die Emissionen auf 51 Millionen Tonnen zu reduzieren.

Aus Sicht der Grünen Liga entspräche der Aufschluss neuer Braunkohle-Löcher einer "hemmungslosen Ausplünderung der Lausitz". Während die Gewinne Vattenfalls in dessen Heimatland Schweden flössen, blieben der Lausitz nur Umsiedlung und Wasserentzug.