Doppelstrategie

Dietzel: Klimaschutz als Innovationsmotor

Bei der Eröffnung des 10. Hessischen Klimaschutzforums am Donnerstag in Wiesbaden bezeichnete Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) den Klimaschutz als "Innovationsmotor für das 21. Jahrhundert". In seiner Rede sprach er sich auch für eine stärkere Besteuerung des Flugverkehrs sowie für Atomkraft aus.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Wiesbaden (red) - "Der Klimawandel hat uns erreicht und ist auch in unserer Region sichtbar", so Dietzel weiter. "Im Rahmen unseres Forschungsprojektes InKlim 2012 zeigen sich beispielsweise für den Weinbau deutliche Veränderungen. Die Reben blühen früher und werden einem größeren Hitzestress ausgesetzt. Damit kann es sein, dass sich schon bald die Säurestruktur des Rieslings verändern wird." 2006 sei in Hessen "der heißeste Juli seit Aufzeichnung" gemessen worden, der August sei dagegen der regenreichste seit 50 Jahren gewesen, so Dietzel.

Der Umweltminister betonte: "Anpassung an den regionalen Klimawandel heißt auch, dass wir neue Technologien für mehr Klimaeffizienz stärker nutzen sollten. Denn im Klimawandel liegen auch Chancen, nicht nur Risiken. Innovation heißt hier das Schlüsselwort. Außerdem wichtig sind verstärkte Anstrengungen im Bereich der Forschung und Entwicklung zur regionalen Anpassung und für die Vermeidung von Treibhausgasen."

Die Landesregierung verfolge eine Doppelstrategie aus mehr Energieeffizienz und einer vernünftigen Nutzung von regenerativen Energieträgern insbesondere der Biomasse. Hier habe sich die Landesregierung das Ziel gesetzt, bis 2015 etwa 15 Prozent der Endenergie durch regenerative Energiequellen bereit zu stellen. Unverzichtbar seien dabei aber auch Atomkraftwerke.

Ein Beispiel dafür, welche Chancen im marktorientierten Klimaschutz stecken können, zeige laut Dietzel die Dynamik des Emissionshandels. "Er hat bereits einen neuen Schub für Innovation bewirkt. Die Vision eines kohlendioxidfreien Kohlekraftwerkes ist in nahe Zukunft gerückt. Europaweit werden mittlerweile Milliardenumsätze mit Emissionsberechtigungen getätigt. Heute schon steigt die Zahl der Arbeitsplätze in neuen innovativen Bereichen der Energieeffizienz und Energietechnologien rasant an."

Als Standort des Frankfurter Flughafens komme dem Bundesland bei der Reduzierung von Treibhausgasemissionen durch Flugzeuge eine besondere Verantwortung zu, so Dietzel. Ein von ihm bereits vor zwei Jahren auf europäischer Ebene unterstützter Vorstoß, geltende Mehrwert- und Kerosinsteuerbefreiungen im Flugverkehr aufzuheben, sei damals gescheitert. Er halte aber nach wie vor an der Forderung fest. Zu der Frage, ob auf Bundesebene eine Änderung sinnvoll sei, äußerte sich der Minister nicht.

Mit dem Klimaschutzforum bietet die Landesregierung jedes Jahr Unternehmen, Kommunen und Verbänden die Möglichkeit, sich einen Tag lang über langfristige Energiepolitik auszutauschen. Zu den rund 180 angereisten Fachleuten zählte dieses Jahr auch der bekannte Kieler Meereswissenschaftler Mojib Latif. Der Professor am Leibniz-Institut forderte in Wiesbaden eine globale Reduzierung der Treibhausgase um 50 Prozent bis zum Jahr 2050. Um einen lebensfeindlichen Klimawandel abzuwenden, müssten bis zum Ende des Jahrhunderts die Emissionen weltweit um 90 Prozent zurückgehen, sagte Latif.

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