Hintergrund

Diese Faktoren bestimmen die Öl- und Benzinpreise

In der arabischen Welt gehen die Menschen gegen ihre Herrscher auf die Straße, und an deutschen Tankstellen steigen die Preise. Doch die Rohöl- und Benzinpreise hängen neben der politischen Lage in den Förderländern von einer ganzen Reihe anderer Faktoren ab.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Brüssel (afp/red) - Folgende Faktoren bestimmen die Preise:

Politische Lage

Unruhen wie in Libyen können zur Drosselung oder zum Stopp der Förderung führen. Kurzfristig mögen andere Länder zwar einspringen. So habe Saudi-Arabien in der Vergangenheit in der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) die Rolle eines Ausgleichslieferanten gespielt, sagt Energie-Expertin Kirsten Westphal von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). "Aber die Reservekapazitäten sind nicht mehr so hoch wie früher." In Deutschland kommen laut Bundesregierung knapp acht Prozent des Rohöls aus Libyen.

Psychologie

Laut Mineralölwirtschaftsverband (MWV) gibt es derzeit genügend Öl auf dem Weltmarkt. Auch nach den Worten Claudia Kemferts vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) herrscht kein Engpass. "Die Sorge ist das, was im Moment den Preis treibt", sagt Kemfert. Die Sorge nämlich, dass weitere Länder ihre Produktion drosseln oder gar stoppen könnten. Dann würden die Benzinpreise wohl weiter steigen.

Spekulanten

Auf den Ölmärkten geht es einem Teil der Händler nicht um den tatsächlichen Verkauf oder Einkauf von Öl, sondern um ein finanzielles Betätigungsfeld. "Spekulation spielt eine Rolle", sagt DIW-Fachfrau Kemfert. Laut MWV handelt es sich gerade beim Rotterdamer Spotmarkt, dem für Deutschland wichtigsten Handelsplatz, um einen "hoch spekulativen Markt".

Dollarkurs

Rohölkäufe werden in US-Dollar abgewickelt. Daher spielt der Euro-Dollar-Wechselkurs für Händler aus der Eurozone eine wichtige Rolle. Ist der Euro stark, bekommt der Händler für die europäische Währung mehr Dollar und dafür letztlich mehr Öl als bei einem schwachen Euro.

Weltwirtschaft

Mit der Erholung der Weltwirtschaft nimmt die Ölnachfrage zu. Gebraucht wird es für den Transport: Benzin und Diesel für Autos und Lastwagen, andere Kraftstoffe wie Schiffsdiesel und Kerosin für Flugzeuge. Auch die chemische Industrie verarbeitet Rohöl, etwa für Kunststoffe. In weniger entwickelten Ländern werden Generatoren und Kraftwerke mit Diesel und Öl befeuert.

Mineralölkonzerne

Der Gewinn der Mineralölkonzerne macht an den Zapfsäulen in Deutschland dem Branchenverband MWV zufolge nur einen Bruchteil des Preises aus. Die Marge der Unternehmen an der Tankstelle liege "zwischen einem halben und einem Cent", sagt eine MWV-Sprecherin. DIW-Expertin Kemfert weist darauf hin, dass die Gewinnmarge "tendenziell höher ist, je höher der Preis".

Steuern

Den Löwenanteil am deutschen Benzinpreis kassiert der Staat. Die Energiesteuer wird pro Liter erhoben, unabhängig vom Preis. Sie beträgt bei Benzin 65,4 Cent und bei Diesel 47 Cent. Das Finanzministerium wehrt sich deshalb gegen die Behauptung, der Fiskus "verdiene" an hohen Ölpreisen. Allerdings kommt zur Energiesteuer die 19-prozentige Umsatzsteuer hinzu, und sie richtet sich in der Höhe nach dem jeweiligen Benzinpreis.