Flaute

Die Windkraft auf See wird zum Sorgenkind

Vom wohl wichtigsten Standbein der Energiewende gibt es keine wirklich guten Nachrichten. Knapp fünf Jahre nach dem Baubeginn für den ersten Windpark vor der deutschen Küste wachsen die Sorgen um die Offshore-Branche. Probleme bei der Anbindung der Anlagen und das politische Tauziehen um Energiewende und Strompreise machen den Anbietern zu schaffen.

Windkraft© Rebel / Fotolia.com

München (dpa/red) - Die Windkraft auf See gilt als wesentliches Standbein der Energiewende in Deutschland, doch bei den Unternehmen macht sich Ernüchterung breit. Komplizierte Genehmigungsverfahren, die stockende Netzanbindung und schwierige Finanzierungsbedingungen sind nur einige der Herausforderungen für Hersteller und Versorger. Experten warnen bereits vor einem Kollaps und dem Verlust Tausender Arbeitsplätze in der noch jungen Branche, wenn nicht rasch bessere Rahmenbedingungen für die Großprojekte geschaffen werden. Schon jetzt hinke Deutschland bei den Ausbauzielen kräftig hinterher.

Die Aussichten sind eigentlich gut

Dabei sind die Aussichten für Offshore-Anlagen, die vor den Küsten im Meer installiert werden, vielversprechend, erklärt Marcus Weber, Partner der Strategieberatung Roland Berger Strategy Consultants, in einer Studie. Auf 130 Milliarden Euro schätzt er das globale Investitionsvolumen für Windkraft auf See bis 2020. Gerade Europa mit seinen ehrgeizigen Klimazielen komme dabei eine Vorreiterrolle zu. Dabei dürften künftige Projekte größer ausfallen, die weiter entfernt von den Küsten und in tieferen Gewässern installiert werden.

Bei den Windparks vor der deutschen Küste müssen Bauherren schon heute mit solch schwierigen Anforderungen zurechtkommen. Die größten Probleme aber bereitet der Netzanschluss der Windparks auf See. So kämpft der Technologieriese Siemens als weltgrößter Hersteller für Offshore-Windturbinen mit teuren Verzögerungen beim Anschluss von Nordsee-Windparks. 682 Millionen Euro lasteten in den vergangenen eineinhalb Jahren deshalb auf den Siemens-Bilanzen. "Wir gehen davon aus, dass das Gros an Belastungen hinter uns liegt", sagte ein Unternehmenssprecher. In der zweiten Jahreshälfte 2014 sollen die Projekte fertiggestellt sein. Trotz der Schwierigkeiten bleibe das Offshore-Geschäft für Siemens auch künftig interessant.

Große Verunsicherung, rege Konkurrenz

Auch um solchen Risiken aus dem Weg zu gehen, lässt der Siemens-Erzrivale General Electric (GE) vorerst lieber die Finger vom deutschen Offshore-Markt. Rund läuft es deshalb für den US-Konzern hierzulande dennoch nicht: Der erst kürzlich berufene Chef des deutschen Windgeschäfts von GE, Andreas von Bobart, räumt ein "mageres Jahr 2012" ein. GE will nun mit einer neuen Maschine speziell für Regionen mit schwachem Wind punkten. Erste Kaufverträge sind unterzeichnet. Die Verunsicherung sei aber greifbar, sagt Bobart. "Investitionsentscheidungen im Windmarkt werden im Moment aufgeschoben." Das treffe die Branche insgesamt. Die Diskussionen um die Energiewende müssten in klare Aussagen zur künftigen Förderung und zu Übergangsfristen für bestehende Anlagen münden.

Starke Konkurrenz gibt es unter den zahlreichen Windparkprojekten in Europa um das Geld der Versorger und anderer Investoren. "Wir werden zukünftig dort investieren, wo wir die verlässlichsten Rahmenbedingungen vorfinden", sagt Hans Bünting, Chef der Sparte für Erneuerbare Energien bei RWE. Nach zuletzt einer Milliarde für Strom aus Wind, Sonne und Co. steckt der Essener Konzern künftig nur noch 500 Millionen Euro jährlich in den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien. Grund: Die teuren Folgen des Atomausstiegs in Deutschland.

Junge Branche braucht langen Atem

Das Unternehmen hat rund 2200 Megawatt an Windkraftleistung in Europa installiert und entsprechende Erfahrung mit dem Bau von Windparks. "Im Ausland sieht man, dass es auch unkomplizierter laufen kann", sagt Bünting. In Großbritannien und Belgien zum Beispiel sei der Betreiber des Windparks auch für den Bau des Netzanschlusses verantwortlich. "Damit fallen komplizierte Schnittstellen zu anderen Unternehmen weg und die Prozesse bleiben in einer Hand." Bünting plädierte aber auch für mehr Geduld: "Der Offshore-Windkraft muss wie jeder jungen Industrie ein langer Atem zugestanden werden."

Quelle: DPA